Gedanken

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Hier finden sie Artikel zu dieser Sektion die auf der Webseite oder im Nachrichtenblatt erschienen sind.

Schauen sie sich doch mal um, vielleicht erhalten sie Inspiration für die nächsten Tage!

2022
Oktober

 

Meine Gedanken 

Der Sommer dieses Jahres ist Geschichte. 

Es war sehr heiß und es gab viel zu wenig Regentage mit angenehm kühler Luft zum Aufatmen.  Jetzt ist es Herbst. Für viele Menschen die schönste Jahreszeit. Lange Monate ging es um Wachsen und Pflanzen, gab es in den Gärten, auf den Wiesen und Feldern unglaublich viel Arbeit und wenig Pausen. Jetzt ist die Zeit, stiller zu leben. Ich kann die wunderschönen Spinnennetze bewundern, die im goldenen Morgenlicht leuchten. Die ersten Blätter färben sich bunt und tanzen im Wind zu Boden. Die Natur ist wie verzaubert. 

Herbst heißt, es muss nicht mehr alles blinken und glitzern. Die Samenstände, die jetzt noch stehen, die blühenden Gräser auf der Wiese, werden zur Nahrung und Heimat für viele Insekten. Dieser Reichtum berührt mich immer wieder. Es tut gut, im Herbst die Hände in den Schoß zu legen und von Herzen zu danken: Gott ist da. 

Am Erntedankfest feiern wir die Spuren seiner Liebe, die uns täglich umgibt, und lassen unser Herz weit werden für all das Gute, das uns geschenkt wurde. Und so wie die Gärten sich verändern, zeigt uns der Blick in den Spiegel, dass wir älter und reifer werden. Ein junges Gesicht sprudelt vor Leben. Ein altes Gesicht erzählt weise Geschichten. Jetzt ist die Zeit, ihnen im goldenen Licht der müde werdenden Sonne zuzuhören.  

Ich freue mich auf die goldenen Tage des Herbstes. Wir blicken auf die Arbeit des Jahres und dürfen diese Momente genießen. Sie geben uns Kraft. Und ich kann dankbar in die Worte aus Psalm 40 einstimmen: „HERR, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du uns zeigst; Ich will sie verkündigen und davon erzählen“ (Psalm 40,6).

Ich grüße Sie herzlich Ihr Pfarrer Eric Maurer 

2022
August

 

Meine Gedanken
In der Nacht hat es leicht geregnet. Jetzt strahlen die sommerlichen Farben des Gartens wie neugeboren im Licht. Ein betörendes Aroma liegt über der Erde. In einer Ecke ist gerade der Salbei verblüht, Bohnenkraut und Dill strecken in der anderen Ecke ihre Triebe würzig in die Luft. Über allem liegt der Duft des Lavendels. Erst seit einigen Tagen sind die ersten Knospen an den Rispen geöffnet. Aber die ganze Luft ist schon von dem beruhigenden Duft erfüllt. Es scheint, als hätten sich das Blau des Himmels und das Rot der Rosen verbündet, vereint zu einer Kostbarkeit, die als Heilpflanze in dem Ruf steht, dem Menschen zu einem wertvollen Gut zu verhelfen: 

Ruhe. Seelenruhe. Innere Stille. 

Aus den Küstenebenen des Mittelmeeres haben die Mönche den Lavendel nördlich der Alpen eingeführt. Wie gut, dass der „Echte Lavendel“ die heimischen Winter gut übersteht, es würde unseren Gärten wirklich etwas fehlen. 

Ein paar getrocknete Lavendelblüten auf dem Kopfkissen, oder ein paar Tropfen Lavendelöl genügen schon, dass ich leichter einschlafe und die Unruhe des Tages vergeht. Beides in unserer Zeit unglaublich wertvoll. Immer mit der Ruhe. Erstmal eine Nacht drüber schlafen, die Ängste dem Himmel anvertrauen, loslassen, ruhen. 

Der Lavendel führt mir vor Augen: Für unsere Nöte ist gesorgt, gegen viel Leid ist ein Kraut gewachsen. Es sind Gottes große Kräfte, die da zu unserem Segen wirken. Mit Gottes Hilfe gelingt es: Immer mit der Ruhe, denn in der Ruhe liegt die Kraft. Die Kraft zu leben. 

Ich grüße Sie herzlich Ihr Pfarrer Eric Maurer 

2022
Juni

 

Meine Gedanken
Beim Kochen habe ich es vergessen. Und jetzt schmeckt das Essen fade und langweilig. Wenn ich aber mit etwas Salz würze, dann bekommt das Essen Geschmack und tut gut. Für den Stoffwechsel in unserem Körper ist das Salz sogar unverzichtbar.

Und doch will das Salz wohl dosiert sein. Eine Suppe ist leicht versalzen, schnell kann man das Miteinander verderben. Und so verwenden wir das Salz gerne sprichwörtlich: es hat Schärfe – und steht damit auch fürs Kritik-Üben. Wo wir wunde Punkte benennen, Salz in eine Wunde streuen – da brennt es und tut ganz schön weh. 

Doch Salz ist auch ein Heilmittel. Am Meer, oder in Salinen können wir gesunde, salzige Luft einatmen. 

Zur Zeit Jesu war Salz ein Zeichen für Leben, Glück, Schutz, Reichtum und Gesundheit. Wer Salz teilte, der hat sein Glück geteilt. Noch heute begrüßen wir einen neuen Nachbarn mit Brot und Salz: damit immer Nahrung und Glück im Haus sei. 

Aus diesen Gründen hat Jesus seinen Jüngern – und uns – zugerufen: „Ihr seid das Salz der Erde“. (Matthäus 5, 13)

Jesus macht Mut, sich einzubringen. Mit dem eigenen Glauben, mit den Fragen, mit unserem Vertrauen zu ihm. So bekommt unser Miteinander Würze, wird spannend, interessant, lebendig und hat eine Zukunft. Jesus traut uns zu, Salz zu sein: wohltuend – heilsam – unverzichtbar. Für den Frieden, für die Erde, auf der wir miteinander leben. 

Das ist eine gute Zusage für diesen Sommer. Gottes Nähe hilft uns, getrost und unverzagt unseren Weg zu gehen. Eine gesegnete und friedliche Sommerzeit wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Eric Maurer

2022
April

 

Meine Gedanken
Jedes Jahr sehne ich sie herbei: Kaum entfaltet, strahlen sie schon in sattem Gelb, oder in ihrem Weiß, oder Violett. Krokusse gehören zu den ersten Blumen des Frühlings. Ihre kräftige Farbe und ihr geselliges Auftreten machen die Krokusse so beliebt. Und so sind sie in vielen Vorgärten zu sehen. 

Denn wenn es endlich Frühling werden soll, dann richtig. Da genügt nicht ein einzelner Farbtupfer hier oder da. Dann will ich es gleich kräftig haben. Krokusse, so zart sie auch scheinen, verkörpern die Macht der anbrechenden wärmeren Jahreszeit. Und in ihren Blütenkelchen leuchtet bis heute etwas vom Licht des Südens. 

Es herrscht Aufbruch: hin zu wärmeren Tagen, zu leichterer Kleidung, zu neuer Hoffnung. Wir Menschen atmen auf, und das ganze Leben schaltet einen oder gar zwei Gänge hoch. 

Diese bunten Frühlingskinder sind auch Boten des Glaubens: Zum einen zeigen sie uns, was für eine fröhliche Buntheit Gott geschaffen und geschenkt hat. Darüber freue ich mich immer wieder. Zum zweiten weist der Krokus auf Ostern. Das Leben streckt sich nach der Sonne, wir strecken uns nach dem Licht des Ostermorgens, in dem unser Glaube begründet liegt.   

Auch wir brauchen das Licht der Hoffnung, um leben zu können. „Vom Aufgang der Sonne, bis zu ihrem Niedergang, sei gelobet der Name des Herrn.“ So bekennt es der Beter von Psalm 50. Gott will die Sonne und Freude unseres Lebens sein. Und dass es so ist, das feiern wir zu Ostern. 

Eine gesegnete und hoffnungsvolle Osterzeit wünscht Ihnen 

Pfarrer Eric Maurer

 

Meine Gedanken
Ich mache mich auf den Weg und bald sind da nur noch Blätter um mich. An der nächsten Biegung links, dann wieder rechts. Bald habe ich völlig die Orientierung verloren. Das Labyrinth hält mich gefangen. Erst als ich den Turm in der Mitte entdecke, kann ich mich an ihm orientieren und den Weg zurück ins Freie finden. 

Losgehen, den sicheren Weg verlassen, aufbrechen. 

Was im Urlaub willkommene Abwechslung ist, wird im Alltag zu einer Herausforderung für uns. Unser Leben ist davon geprägt, dass wir immer wieder aufbrechen müssen. Von einer Lebensphase in die nächste, und das ist nicht einfach, denn auch da lassen wir oft die sichere Orientierung zurück. Wir leben in einer Zeit, in der zusätzliche Aufbrüche und ganz neue Herausforderungen auf uns zukommen. Die Kirchgemeinden um Radeburg werden in diesem Jahr als „Kirchspiel“ enger zusammenarbeiten. Unser Gemeindesekretariat ist zur Zeit nicht besetzt. Gewohnte und liebgewordene Abläufe ändern sich. 

Die Bibel ist voller Aufbruchsgeschichten: Abraham, Mose, die Berufung der Jünger oder die Aussendung der Apostel. Immer verändert sich das gewohnte Leben. Und jedes Mal gibt es die Zusage Gottes, die Aufbrechenden nicht allein zu lassen. 

Über diesem Jahr steht die Zusage Jesu: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“ (Joh 6, 37). Gott lädt uns immer wieder ein. Wir dürfen uns mit ihm auf den Weg machen und dabei zu einem neuen und barmherzigen Miteinander finden – Gottes Barmherzigkeit wird unsere Richtschnur sein. Und immer, wenn wir als Gemeinde zusammen kommen, dann ist das der beste Anfang. 

Gott ermutige und segne uns auf diesem Weg. 

Ihr Pfarrer Eric Maurer

2022
Februar

2021
Dezember

 

Meine Gedanken
Draußen ist es dunkel geworden. Längst vergangen sind die hellen, leichten Abende des Sommers. Fast vergessen ist das grüne Rauschen der Blätter in den Bäumen. Die dunkle Jahreszeit ist wieder da. Von manchen gefürchtet, von anderen geliebt. 

Dunkelheit bedeutet nicht nur kurze Tage und kaltes Schmuddelwetter. Dunkelheit bedeutet auch: ein dickes gutes Buch in der warmen Stube. Eine Tafel Schokolade. Die neue Wolldecke, von meiner Frau gestrickt, wohlig um die Beine gewickelt. 

Und eine Kerze. Sie kann klein oder groß sein. Sie hat die Macht, in die tiefste Finsternis, bei Stromausfall und Hoffnungslosigkeit, Licht ins Dunkle zu bringen, wie ein Stern.
Es werde Licht. Das ist einer der allerersten Verse in unserer Bibel. Es wurde Licht und Gott sah, dass das Licht gut war. So ist das bis heute. Unsere Welt ist zwar überbelichtet, vom Weltall aus sind viele helle Ballungszentren zu sehen, aber von einer einzigen Kerze gehen tiefer Friede und Geborgenheit aus. Licht für diese Welt.
„Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“, sagt Jesus von sich im Johannesevangelium (Joh. 8,12).  Und der Stall und die Krippe in Bethlehem machen dieses Licht sichtbar: Mitten in den dunklen Stunden des Lebens wurde Jesus Christus geboren.  Es wird hell und klar. Gottes Liebe begleitet uns auf unseren Wegen. Sein Licht erlischt auch dann nicht, wenn die Dunkelheit noch weiter zunimmt. Gott bleibt bei uns und zeigt uns den Weg in all den Veränderungen unseres Lebens.  Gott ermutige und segne uns auf diesem Weg.

Ihr Pfarrer Eric Maurer

2021
Oktober

 

Meine Gedanken

Die Blätter färben sich bunt – Zeit, um Ausflüge zu machen. Und dann steht da dieser große, alte Baum. Alle staunen. 

Schnell wird aus dem Staunen eine Aufgabe: Schaffen wir es, diesen Stamm zu umfassen? 

Zwei Personen schaffen es nicht. Aber mehreren wird es gelingen. Wenn sich alle die Hand entgegenstrecken, dann wird es reichen. 

In diesem Kreis darf keiner fehlen. Jeder ist wichtig, sei er noch so klein. Nur zusammen gelingt die Aufgabe und dann freuen sich alle miteinander und aneinander. In unseren Kirchgemeinden verbinden sich Menschen zu Kreisen. Wir treffen uns im Gesprächskreis, in der Musikgruppe und kommen zum Segenskreis zusammen. Und die Kirchgemeinden um Radeburg werden ab nächstem Jahr in einem Gemeindekreis, einem Kirchspiel enger zusammenarbeiten.  

Nur der Kreis macht es möglich: alle können miteinander reden, keiner sitzt in der zweiten Reihe. Keiner soll sich verstecken müssen. Wir blicken einander an. Jeder wird wahrgenommen. Ein Kreis ist Gemeinschaft, gibt dem Einzelnen Geborgenheit und Sicherheit. Und mir fällt das Lied von Manfred Siebald ein: „Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen!“ 

Ein Kreis ist rund, geschlossen. Doch wir wollen keine geschlossene Gesellschaft sein. Und so geht das Lied auch weiter: „Gut, dass wir nicht uns nur haben, dass der Kreis sich niemals schließt – und dass Gott, von dem wir reden, hier in unsrer Mitte ist!“ Wir sollen nicht um uns selbst kreisen. Unsere Gemeinschaft soll einladend sein und eine Mitte haben: „Gott, von dem wir reden“.  Gott lädt uns ein, ihm sind alle Menschen wichtig. Er soll unser Miteinander prägen und uns helfen, offen zu bleiben.  

Ich grüße Sie herzlich Ihr Pfarrer Eric Maurer

2021
August

 

Meine Gedanken 

Ein Schweben zwischen Himmel und Erde. Es geht hoch hinauf, mein Herz klopft. Der feste Boden unter mir wird immer kleiner. Mir wird klar: Ich bin kein Vogel, dem der Schöpfer das Fliegen in die Wiege gelegt hat. Viele Menschen haben daran geforscht bis es möglich war, die Schwerkraft zu überwinden. Beim Fliegen überschreiten wir die Grenzen dessen, was uns von Natur aus möglich ist. 

Und dann ist da diese Stille. Beim Ballonfahren geht es ruhig zu. Nur das Rauschen des Windes und das Fauchen der Flamme, deren heiße Luft uns nach oben treibt. Ich muss diesem Schweben vertrauen. Denn die Luft hat keine Balken und alles fällt vom Himmel, was sich nicht oben halten kann. „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“, heißt es schließlich in Psalm 19. Da oben, im einfachen Schweben, doch sicher geführt und behütet, ändert sich der Blickwinkel. Es gibt viele Gründe zu vertrauen. 

Beim Blick nach unten ist manches weichgezeichnet, doch treten die Konturen der Landschaft deutlicher hervor und ich sehe Zusammenhänge, die auf der Erde verborgen waren. Die Urlaubszeit ist für mich so eine Zeit des Innehaltens, des Zurückblickens und nach vorne Schauens. Aber auch die Sonntage laden uns dazu ein, jede Woche aufs Neue. Ich bin dankbar für diese Zeit, in der ich Kraft für den Alltag mit all seinen Veränderungen bekomme. 

Und ich freue mich auf die kommenden Monate: Besonders auf die Erntedankgottesdienste und die Begegnungen mit Ihnen, wenn wir miteinander über unseren Glauben heute und morgen ins Gespräch kommen. 

Ich grüße Sie herzlich Ihr Pfarrer Eric Maurer

2021
Juni

 

Meine Gedanken 

Es gibt Sommertage, die sind wie ein Gedicht. Einfach zum Genießen. 

Wie ein Vanilleeis mit Sahne, ein Bett nach einer langen Wanderung oder Himbeeren. Sie sind süß, wohltuend und vertreiben das Schwere. 

Jetzt kann ich in den Garten gehen und die ersten Früchtchen sind reif. Genießerisch stecke ich die Beeren in den Mund. In Gedanken esse ich schon den Himbeerkuchen, oder koche Marmelade. 

Dunkle Nächte, Schneesturm, Eis? Das alles kann ich mir nicht mehr vorstellen und ist so weit weg wie die Wintersachen im Schrank auf dem Dachboden. 

In den nächsten Tagen leuchten immer mehr rote Früchte in der Sonne und ich kann die Schätze schon in einer Schale sammeln. Naschen ausdrücklich erlaubt! Das gehört dazu, unbedingt. Dieser Versuchung darf ich getrost nachgeben. Denn der Überfluss ist zeitlich begrenzt. In wenigen Wochen muss ich mich wieder von den Früchten verabschieden und die Sträucher so pflegen, dass ich im nächsten Jahr wieder mit reicher Ernte beschenkt werde. 

Diese Himbeertage sind unendlich wertvoll. Sie lassen mich aufatmen und glücklich sein. Jetzt kann ich draußen sein, die Augen im Grünen baden lassen, der Amsel bei ihrem Nachtlied zuhören. Einfach schön. 

Manche Tage bergen so viel göttliche Kraft, dass ich mich getrost mit Leib und Seele hingeben kann. Wie die Bienen Nektar sammeln, kann ich jetzt Zeit, Licht und Leichtigkeit ins Herz lassen. Das ist der Stoff, aus dem im Winter die Kraft kommen wird. Unser tägliches Brot, dazu gehören im Sommer auch die süßen Früchte. 

Gott sei Dank. 

Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen Pfarrer Eric Maurer

2021
April

 

Das Lamm  

Das kleine Lamm steht auf seinen wackligen Beinen. Unsicher und  neugierig beginnt es, den Stall zu erkunden. Dabei ist es erst ein paar  Stunden her, dass sich die Mutter unruhig von der Herde getrennt hat.  Nach einer Stunde war es soweit: das Lamm kam gesund und munter zur  Welt. Die Mutter hat es ausgiebig abgeleckt und gereinigt. Und auch das  Säugen macht nicht nur satt, sondern verbindet beide eng miteinander. So  kann das Lamm schon bald aufstehen und spielen. Aufmerksam erkundet  es alle Gegenstände und besonders die Strohballen laden zum Spielen ein.  Auch wenn das Lamm eher zurückhaltend ist, kommt es zu mir. Wenn ich  mir Zeit nehme, mit ihm spreche und es kraule, wird es zutraulich.  Lämmer und Schafe haben die Menschen schon immer beeindruckt. Und  besonders das Bild von der „Herde“ ist in der kirchlichen Tradition weit  verbreitet. Ein neugeborenes Lamm ist Sinnbild für Unschuld und  Sündenlosigkeit - ohne Fehl und Tadel. Jesus Christus wird aus diesem  Grund als Lamm Gottes, das Passalamm bezeichnet. Wir denken besonders  an Karfreitag daran.  

Aber Jesus ist zugleich auch der gute Hirte seiner Herde (Johannes 10,11).  Schafe sind auf die Fürsorge ihres Hirten angewiesen. Auch wir sehnen  uns nach einem „der uns liebt, der uns kennt“. Und das feiern wir an  Ostern: dass Jesus die Grenzen des Lebens überwunden hat und wir durch  die Verbindung mit ihm gut aufgehoben sind. 

Eine gesegnete und hoffnungsvolle Osterzeit wünscht Ihnen Pfarrer Eric Maurer

2021
Februar

 

Meine Gedanken 

Der Aufstieg ist anstrengend. Immer steiler, unwegsamer wird der Weg. 

Meine Kraft lässt nach, ich kann nicht mehr. 

Doch da ist die Hand. Ich kann sie ergreifen und schaffe das letzte Wegstück. 

So steht Gottes helfende Hand über diesem Jahr: 

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lk 6,36). 

Gott ist der Gebende. Er schenkt mehr, als es menschliche Großzügigkeit vermag. 

Wer das erfährt, der kann selbst großzügig, freundlich, barmherzig sein. 

Wer Gottes Großzügigkeit und Freundlichkeit erfahren hat, dem wird das kleinliche Nörgeln, das gegenseitige Aufrechnen vergehen. 

Wir sind beschenkt und dürfen weiter schenken, uns wird geholfen und deswegen können wir anderen helfen, wir sind gesegnet und dürfen anderen zum Segen werden. 

Dann müssen Feinde nicht Feinde bleiben, ich kann auf sie zugehen.  

Jesus benennt hier Ziele. Ist es nicht schön, das alles zu schaffen? 

An manchen Tagen gelingt mir das eine, oder das andere. 

Aber es gelingen nur kleine Schritte. 

Dennoch gilt: Gott beschenkt mich reich. Jeden Tag. Ohne aufzurechnen. 

Und so kann ich immer wieder neu versuchen, Jesus nach zu folgen.  

Gott, der Vater Jesu Christi, ist und bleibt für uns unberechenbar. 

Aber er ist mitten unter uns. Er ist so bei uns, dass er uns und unsere Mitmenschen verändern kann. Er reicht uns die Hand und zeigt uns neue Wege. 

Mit ihm wird auch auf dem dunkelsten Weg wieder ein helles Licht aufstrahlen.

Gott lädt uns ein. 

Machen wir uns doch mit ihm auf den Weg und finden zu einem neuen und barmherzigen Miteinander – Gottes Barmherzigkeit ist dabei die helfende Hand. 

Das ist die Zusage Gottes für dieses Jahr – was auch immer geschieht.

Ihr Eric Maurer

2020
Dezember

 

Liebe Schwestern und Brüder, 

„Der Herr ist mein Schutz. Mein Gott ist meine Zuversicht.“ (Ps 94,22) 

Die Experten haben es ja schon lange angekündigt: Die Infektionszahlen sind in den letzten Wochen auch in Sachsen wieder angestiegen. Es entspricht dem Gebot der Nächstenliebe, dass wir aufeinander Rücksicht nehmen. Wir möchten zeigen, dass in unserer Kirche ein verantwortlicher Umgang mit der Situation gelebt wird. Auch für das Miteinander in der Gesellschaft ist die gegenseitige Rücksichtnahme ein wichtiges Fundament. 

Wir sind dankbar, dass nach den derzeitig gültigen Corona-Schutzverordnungen die Feier der Gottesdienste noch möglich ist. Dies geht aber nur, wenn wir die vorgegebenen Hygieneregeln beachten: Mund-Nasenschutz, Mindestabstand und Anwesenheitslisten, die eventuell eine Benachrichtigung möglich machen. Auch müssen die Teilnehmerzahlen bei unseren Veranstaltungen den räumlichen Möglichkeiten angepasst werden. 

Dennoch wissen wir nicht, was die nächsten Tage und Wochen für Veränderungen bringen werden. 

Sie haben hier nun eine Zusammenfassung der geplanten Veranstaltungen für die nächsten zwei Monate in den Händen. Bei veränderten Rahmenbedingungen müssen wir kurzfristig reagieren, so dass es zu Veränderungen und Absagen kommen kann. Bitte beachten Sie daher unsere aktuellen Aushänge und die Informationen auf unserer Homepage. 

Wir sind aber zuversichtlich, dass wir für die kommenden Tage und Wochen Wege finden, wie wir als Gemeinde zusammenkommen und miteinander und füreinander Gott loben und danken können. 

Bleiben sie behütet Ihr Pfarrer Eric Maurer

Meine Gedanken
Sie sind wieder da. All überall sieht man die goldenen Lichtlein blitzen, und das nicht nur auf den Tannenspitzen: Hinter Fensterscheiben, in Fußgängerzonen, auf Baukränen, an Hauswänden und in Vorgärten funkelt und blinkt die Adventsbeleuchtung. Advent, Weihnachten ist die Zeit der Lichter. 

Licht tut gut, wenn ich morgens im Dunkeln aus dem Haus gehe, wenn es tagsüber gar nicht richtig hell wird und ich abends bei Dunkelheit zurückkomme. Im Licht sieht alles anders aus. Freundlicher. Wärmer. Obwohl sich doch nichts verändert hat. Aber ich sehe klarer, was mich vorher im Dunkeln beunruhigt hatte. Wenn es hell ist, erkenne ich, was los ist. Überhaupt: ich sehe die Anderen, wenn ich Licht mache. Kein Wunder also, dass die Menschen es sich in dieser dunklen Zeit hell machen, Lichter anzünden und die Weihnachtsbeleuchtung montieren. 

Und die vielen Lichter erinnern uns an Jesus, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern. Auf den dunklen Feldern wird es hell, als die Engel den Hirten die gute Nachricht verkündigen. Und Jesus hat von sich gesagt: „Ich bin das Licht der Welt“. Er hat einen Weg gezeigt, wie es wärmer werden kann im Leben und heller für die, die im Dunkeln sitzen. Er beleuchtet denen den Weg zurück, die nach dem richtigen Weg suchen. Gott gibt jedem die Möglichkeit, neu anzufangen und es besser zu machen. Er schenkt uns freundliche Worte, Geschichten, die Hoffnung machen, barmherzige Gesten und tatkräftige Unterstützung. All das macht spürbar: Gott ist mitten in der Welt. So wird es liebevoller und heller. 

Gemeinsam mit Ihnen möchte ich mich auf den Weg machen und nach Gottes guten Wegen suchen, die wir gehen können. 

Gott ermutige und segne uns auf diesem Weg. 

Ihr Pfarrer Eric Maurer

2020
Oktober

 

Meine Gedanken

Das Laub raschelt unter den Füßen, der Wind rauscht am Waldrand. Die Blätter verfärben sich. All das sind untrügliche Zeichen, dass das letzte Kapitel im großen Werden und Vergehen dieses Jahres begonnen hat. Es ist immer wieder bezaubernd zu erleben, wie der Herbst zu diesem wahren Schlussakkord für die Pflanzenwelt ansetzt. Über den Sommer waren die Blätter gleichförmig grün. Nun zeigen sich überall starke Farben wie Rot und Gelb. 

Dieses Farbenspiel zeigt mir, wie reich wir beschenkt sind. Dankbarkeit breitet sich in mir aus. Auch dieses Jahr haben wir trotz der großen und langanhaltenden Trockenheit viele Erntegaben einbringen können, welche wir zum Leben brauchen. 

Dankbar blicke ich auf all das zurück, was dieses Jahr an Arbeit gelungen ist. Gerade unter den Einschränkungen des Corona-Virus. 

Und da ist auch Dankbarkeit für die Nahrung, die unsere Seele braucht. Gemeinschaft und die Schönheit der Natur sind hier große Quellen. 

Schließlich ist die große Symphonie des Herbstes eine Einladung an unsere Sinne. Sie alle werden jetzt reich bedient. Typische Herbstgerüche, manchmal leicht modrig, liegen in der Luft. Und natürlich schmecken wir die Jahreszeit auch, gerade in den Früchten der Obstbäume und der Weinstöcke. 

Es ist wunderschön, dies alles wahrnehmen und mit allen Sinnen aufnehmen und genießen zu können. Solche Momente geben Kraft. Und wir können dankbar einstimmen in die Worte aus Psalm 145: Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit 

(Psalm 145,15). 

Ich grüße Sie herzlich , Ihr Pfarrer Eric Maurer

2020
August

 

Meine Gedanken
Die Sonne zeigt unbeirrbar die Zeit.

Die Zeiger unsrer Uhren können wir festhalten, verstellen, die Sonne nicht, deren Schatten uns hilft, die Zeit an zu zeigen. 

Die Sonne scheint. Manchmal ist sie von Wolken verdeckt, manchmal scheint sie auf der anderen Seite der Welt. 

Und so ist die Sonnenuhr eingebunden in den Lauf der Natur. 

Sie ist kein präziser Zeitmesser, digitalisiert und funkgesteuert wie viele Uhren heute. Aber erlebte Zeit verläuft nicht gleichmäßig, kann nicht mit der Uhr gemessen werden. 

Manchmal dehnt sie sich endlos, oder kann im Flug vergehen. 

Es gibt Zeiten, da möchten wir zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön! 

Und es kommen Zeiten, in denen wir sagen, sie gefallen uns nicht und sie wollen kein Ende nehmen. 

Aber wir können die Zeit nicht festhalten und auch nicht beschleunigen. Unsere Aufgabe ist es, sie zu ertragen, zu gestalten, mit unserem Leben aus zu füllen. 

Damit die Zeit nicht zerrinnt, ist es hilfreich, wenn ich regelmäßig am Ende eines Tages darüber nachdenke: „Was hat mich belastet an diesem Tag? Was hilft mir, besser damit um zu gehen?“ Und genau so wichtig ist die Frage: „Was war schön, wofür kann ich danken?" Wenn ich meine Zeit so bedenke, bin ich nicht getriebenes Opfer, sondern gestalte selbst. 

Der Sommer mit seiner Hitze zwingt uns dazu, etwas langsamer zu tun. Die Zeit fließt ruhig dahin, wir können uns Gott und seinem Rhythmus anvertrauen und finden, was unser Leben kostbar macht. 

Gott ist alle Zeit bei uns. Auch in der zweiten Jahreshälfte ist er die konstante Größe. Wir können bekennen: „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Ps. 31,16). 

Eine gesegnete und erholsame Sommerzeit wünscht Ihnen Pfarrer Eric Maurer

2020
Juni

 

Meine Gedanken „Die Hand ist der Mensch“. 

Diese Behauptung hat Anaximander, einer der ältesten griechischen Philosophen, aufgestellt. 

Und tatsächlich, ohne Hände können wir uns kaum wie Menschen verhalten. 

Mit den Händen bewegen wir uns, mit ihnen sprechen und arbeiten wir. Mit unseren Händen zeigen wir Gefühle, Beziehungen und Stimmungen.  

Schon in der l4. Schwangerschaftswoche sind die Hände vollständig entwickelt. 

Faszinierend sind die unterschiedlichen Bewegungen und Ausdrucksformen. Und künstlerisches Schaffen ist ohne Hände nur schwer vorstellbar. Sie stehen für filigrane Arbeiten ebenso wie für kräftiges Zupacken. Daher haben Handwerksberufe und Handarbeiten einen so hohen Stellenwert. 

Die Hand ist eine Welt für sich und jede Hand, ja jeder Daumen, ist einzigartig und höchst persönlich. 

Traditionell hat die rechte Hand eine Sonderstellung: Mit ihr wurde eine Begrüßung ausgesprochen, zugepackt und gekämpft. Im Gegensatz dazu wurde die linke Hand für Reinigungsaufgaben verwendet. 

An mehr als 1600 Stellen kommen Hände in der Bibel vor: Abraham segnet, Jesus heilt mit seinen Händen und die Apostel geben mit ihnen den Geist Gottes weiter. Und gleich in den ersten Versen der Bibel lesen wir, dass Gott die ganze Welt wie ein Töpfer mit seinen Händen geformt hat und täglich am Leben erhält.  

Gottes zärtliche und schützende Hand in meiner Nähe. Das tröstet mich. 

Denn zur Zeit sind unsere Hände ein großes Infektionsrisiko. Wir können nur darauf verzichten, Hände zu schütteln und durch häufiges Händewaschen dieses Risiko so gering wie möglich halten. 

Bei den vielen Unsicherheiten dieser Tage dürfen wir unser Leben in Gottes Hand legen: 

„Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ (Lk 23,46).

Eine gesegnete und erholsame Sommerzeit wünscht Ihnen Pfarrer Eric Maurer

2020
April

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben (Ps 46,2). 

Dem Hinweis staatlicher Stellen folgend, werden alle Veranstaltungen  unserer Gemeinden Ebersbach und Reinersdorf abgesagt. Dies gilt auch für die in diesen Gemeindenachrichten aufgeführten Gottesdienste und Veranstaltungen. Bisher gehen wir davon aus, dass diese Regelung bis einschließlich 19.04.2020 gilt. Die Glocken werden dennoch zu den vorgesehenen Gottesdienstzeiten läuten. Stattfinden werden nur noch Bestattungs-Gottesdienste im kleinen Rahmen. 

Aufgrund der seit dem 13.03.2020 geänderten Sachlage, die nun auch die Einstellung des Unterrichts an den Schulen und die Schließung vieler öffentlicher Einrichtungen zur Folge hat, sehen wir uns zu dieser dringenden Maßnahme verpflichtet.  

Der Verzicht auf die Versammlung der Gemeinde um das Wort ist keine leichte Entscheidung, aber sie entspricht dem Gebot der Nächstenliebe und dient dem gesellschaftlichen Miteinander. Es ist wichtig zu zeigen, dass auch in unserer Kirche ein verantwortlicher Umgang mit der Situation gelebt wird. 

Wir möchten auf die Angebote von Hörfunk und Fernsehandachten und Gottesdienste hinweisen. 

Eric Maurer, Pfarrer

Das Lamm 

Das kleine Lamm steht auf seinen wackligen Beinen. Unsicher und neugierig beginnt es, den Stall zu erkunden. Dabei ist es erst ein paar Stunden her, dass sich die Mutter unruhig von der Herde getrennt hat. Nach einer Stunde war es soweit: das Lamm kam gesund und munter zur Welt. Die Mutter hat es ausgiebig abgeleckt und gereinigt. Und auch das Säugen macht nicht nur satt, sondern verbindet beide eng miteinander. So kann das Lamm schon bald aufstehen und spielen. Aufmerksam erkundet es alle Gegenstände und besonders die Strohballen laden zum Spielen ein. Auch wenn das Lamm eher zurückhaltend ist, kommt es  zu mir. Wenn ich mir Zeit nehme, mit ihm spreche und es kraule, wird es zutraulich. 

Lämmer und Schafe haben die Menschen schon immer beeindruckt. Und besonders das Bild von der „Herde“ ist in der kirchlichen Tradition weit verbreitet. Ein neugeborenes Lamm ist Sinnbild für Unschuld und Sündenlosigkeit - ohne Fehl und Tadel. Jesus Christus wird aus diesem Grund als Lamm Gottes, das Passalamm bezeichnet. Wir denken besonders an Karfreitag daran.  

Aber Jesus ist zugleich auch der gute Hirte seiner Herde (Johannes 10,11).  Schafe sind auf die Fürsorge ihres Hirten angewiesen. Auch wir sehnen uns nach einem „der uns liebt, der uns kennt“. Und das feiern wir an Ostern: dass Jesus die Grenzen des Lebens überwunden hat und wir durch die Verbindung mit ihm gut aufgehoben sind. 

Eine gesegnete und hoffnungsvolle Osterzeit wünscht Ihnen Pfarrer Eric Maurer

2020
Februar

 

Meine Gedanken  

Schneeglöckchen - wer liebt sie nicht?  

Unbeeindruckt vom drohenden Nachtfrost treiben sie aus dem Boden und öffnen ihre hängenden Blüten. Auch wenn Schnee liegt, drängen sie mit großer Kraft und Beharrlichkeit dem zunehmenden Licht entgegen. 

Das Schneeglöckchen läutet den Frühling ein. Der Kreislauf des Wachsens, Blühens und Gedeihens beginnt wieder. Und egal wie eisig und stürmisch das Wetter ist, die robusten Schneeglöckchen bleiben. Mit den Jahren breiten sie sich sogar aus: Wo sie sich einmal angesiedelt haben entstehen richtige Schneeglöckchen-Wälder. 

Sie sehen nicht nur hübsch aus. Die Schneeglöckchen versorgen auch die ersten Insekten mit ihrem Nektar. Wie die ersten Töne eines wunderschönen Musikstücks genießen sie eine Aufmerksamkeit, die sie im blühenden April oder Mai nie bekommen hätten. Darum sind sie  in den bunten Frühlingsmonaten längst verwelkt und nur ihre Stängel sind noch am Erdboden zu finden. 

Nach dem dunklen Winter freue ich mich auf das reine leuchtende Weiß dieser Blüten. Alles wird neu, und „Galanthus“ – so der botanische Name – geht voran. Diese Pflanze macht Mut: sie behauptet sich in widrigen Umständen und verfolgt unbeirrt ihr Ziel. Ich bin oft nicht so robust wie das Schneeglöckchen. Doch ich fühle mich diesem Frühjahrsboten nahe. Mit vielen kleinen Blüten verdrängen die Schneeglöckchen langsam aber sicher den Winter. 

Ein Grund zur Freude. Und ein Grund zur Dankbarkeit Gott gegenüber, der unsere Welt so schön gemacht hat, dass wir Jahr für Jahr von Neuem den Kreislauf der Natur bewundern können. Für mich ist das Schneeglöckchen ein Gleichnis dafür, dass Gott das Leben immer wieder zum Vorschein bringt – was immer auch geschieht.

Ihr Eric Maurer

2019
Dezember

 

Meine Gedanken

Ich sehe die Hand nicht mehr vor den Augen. Den Weg kann ich nur noch ertasten. Die frühe Dunkelheit hat mich voll erwischt. Doch da reißen die Wolken auf und das Sternenlicht erhellt den Weg. Jetzt weiß ich wieder, wo ich bin, kann mit sicheren Schritten den restlichen Weg bis zum Haus zurücklegen. Das Licht der Sterne gibt Orientierung, tut gut. 

„Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg“ so bittet Alfred Zoller in seinem Weihnachtslied. Er erinnert damit an die Weisen aus dem Morgenland. Sie sehen einen besonderen Stern und machen sich auf den Weg. Und auch die Hirten auf dem Feld werden von einem hellen Licht überrascht und gehen zum Stall.  

So erlebe ich die Liebe Gottes in der Welt. Sie erhellt, erleuchtet, wärmt, führt Menschen den rechten Weg. Aber nicht immer ist sie auf den ersten Blick zu erkennen, denn sie kann in ganz unterschiedlicher Form erscheinen. Sie zeigt sich oft strahlend, ganz wie die Sterne oder die Sonne am Himmel. Ein andermal aber verschlossen, in einer unerwarteten, gar nicht so angenehmen Gestalt. Entscheidend ist das Licht. Dass es uns leuchtet. Können wir es sehen? 

Der Stern über Bethlehem ist ein wunderschönes Gleichnis: Mitten in den dunklen Stunden des Lebens wurde Jesus Christus geboren, der selber hell und klar ist. Er sagt von sich: Ich bin das Licht der Welt. Wer mit nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben (Joh 8,12). Gottes Liebe begleitet uns auf unseren Wegen. Sein Licht erlischt auch dann nicht, wenn die Dunkelheit noch weiter zunimmt. Gott bleibt bei uns und zeigt uns den Weg bis ans Ende unseres Lebens. Gott ermutige und segne uns auf diesem Weg.

Ihr Pfarrer Eric Maurer

2019
Oktober

 

Meine Gedanken

Vor meinem Fenster läuft ein Eichhörnchen senkrecht die Mauer empor. Oben angekommen stutzt es einen Augenblick, läuft dann schräg nach unten und springt mit einem großen Satz in den Garten. Es ist ein kleines Wunder: An Händen und Füßen hat es scharfe, sichelförmige Krallen. Die bieten sogar an glatten Baumstämmen Halt. Und beim Sprung dient der Schwanz als Steuer, beim Fallen bremst er wie ein Fallschirm. 

Die flinken Eichhörnchen leben in der freien Natur und haben kaum Scheu vor Menschen. Oft sehe ich sie, wie sie auf ihren Hinterbeinen im Gras sitzen, in den Händen eine Nuss halten und genüsslich daran nagen. 

Jetzt im Herbst, wenn die Hasel- und Walnüsse reif werden, sind die kleinen Nager besonders fleißig. Sie flitzen durch den Garten und vergraben ihre Nüsse. Hoffentlich merken sie sich den Ort gut. Wenn nicht, dann keimt im Frühjahr der Trieb eines Haselbusches, einer Buche oder einer Eiche auf.  Der Fleiß der Eichhörnchen ist sprichwörtlich: „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“. So sagen wir zu einer Arbeit, die viel Zeit und Mühe kostet. 

Da die Eichhörnchen keinen Winterschlaf halten, brauchen sie in den Wintermonaten die vergrabenen Schätze dringend. Sie bauen sich aus Reisig ein Baumnest, einen Kobel, in den sie sich für kurze Zeit zum Schlafen und Ausruhen zurückziehen. 

Ich freue mich auf die goldenen Tage des Herbstes. Wir blicken auf die Arbeit des Jahres und dürfen das Gesicht in die Sonne halten und diese Momente genießen. Sie geben uns Kraft. Und ich kann dankbar in die Worte aus Psalm 40 einstimmen: „HERR, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du uns zeigst; Ich will sie verkündigen und davon erzählen“ (Psalm 40,6).

Ich grüße Sie herzlich Ihr Pfarrer Eric Maurer

2019
August

 

Ein Bild wie aus einem Reiseprospekt. Es weckt Erinnerungen und bringt mich zum Träumen. Es entführt mich aus meiner gewohnten Umgebung in die Pracht und Herrlichkeit der Natur. Wie schön ist es doch, ans Meer zu laufen, vom Strand in die Ferne zu schauen und den Blick von einem Ende zum anderen wandern zu lassen. Es tut gut, wenn ich mich hinsetzen und in Ruhe die Gedanken schweifen lassen kann. 

Wer auf das Meer schaut, fühlt sich dem Himmel näher. 

Und am Meer verändert sich der Blickwinkel: 

Was aus der Nähe groß und gewaltig erschien, sieht nun von Ferne klein und winzig aus. 

Und was mir im Alltag den Blick verstellt hat, bekommt nun eine klare Struktur und einen Sinn. 

So einen Überblick wünsche ich mir für mein Leben: Von Zeit zu Zeit innehalten, dankbar zurückblicken auf das, was war und neugierig werden auf den Weg, der noch vor uns liegt. 

Die Urlaubszeit ist für mich so eine Zeit des Innehaltens. Aber auch die Sonntage laden uns dazu ein, jede Woche aufs Neue. 

Nun bin ich schon 9 Monate als Pfarrer in Ebersbach und Reinersdorf. Ich bin dankbar für diese Zeit, in der ich viele schöne Begegnungen, Gespräche und Gottesdienste erleben durfte.  

Und ich freue mich auf die kommenden Monate: Besonders auf die Erntedankgottesdienste und die Begegnungen mit Ihnen, wenn ich etwas aus Ihrem Leben kennen lernen darf und wenn wir miteinander über unseren Glauben heute und morgen ins Gespräch kommen. 

Ich grüße Sie herzlich Ihr Pfarrer Eric Maurer

2019
Juni

Meine Gedanken 

Türen sind etwas Besonderes. 

Sie verbinden das Innen mit dem Außen. 

Türen sollen sich leicht öffnen, aber auch gut schließen lassen. 

Sie sollen sowohl für Schutz als auch für Offenheit sorgen. 

Und sie sollen zu uns passen und gut aussehen. 

Wer meine Türe sieht, der soll schon erkennen, wer, oder was ihn dahinter erwartet. 

Und so ist es nicht verwunderlich: Türen können einladen und Türen können abschrecken. 

Und doch: Sicherheit tut uns gut. 

Wir sichern unsere Türen und Fenster besonders intensiv, lassen Bewegungsmelder und Alarmanlagen einbauen. 

Aber wenn die Angst uns packt, dann können uns auch diese Sicherungsvorkehrungen keine Geborgenheit schenken. 

Wer sich aus Angst einschließt und verschließt, der wird einsam und verkümmert. 

Doch: Wer nur nach außen lebt, der verliert sich. 

Gut ist es, wenn man den Rhythmus findet, der zu uns passt. 

Schließen und sich Öffnen ist wie das Einatmen und das Ausatmen, die Anspannung und die Entspannung, ein Zweitakt, der das Leben reifen lässt. 

In Psalm 121 steht der schöne Vers: „Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!“. 

Was für eine Zusage: Gott wendet Gefahr von dir ab und bewahrt dein Leben. 

Wo du auch bist, Gottes Nähe hilft gegen die Angst und schenkt Geborgenheit. 

Wir dürfen uns öffnen und zurücknehmen. 

Er gliedert das Leben in Arbeit und Erholung. 

Das ist eine gute Zusage für diesen Sommer und unser ganzes Leben.  

Denn immer wieder gibt es Veränderungen, die wie eine geschlossene Türe vor uns liegen. 

Gottes Nähe hilft uns, getrost und unverzagt unseren Weg zu gehen. 

Eine gesegnete und erholsame Sommerzeit wünscht Ihnen Pfarrer Eric Maurer

2019
April

 

Meine Gedanken

Überall auf der wunderschönen Wiese des Pfarrgartens öffnen die Gänseblümchen wieder ihre Blüten und wenden sich der Sonne zu. Jedes Kind kennt diese kleinen Blümchen, deren lateinischer Name Bellis perennis viel über sie aussagt: „die schöne Ausdauernde“. 

Gänseblümchen wachsen bevorzugt im Rasen, den sie mit ihren weißen Blüten angenehm auflockern. Kein Rasenmäher kann ihnen schaden. Bereits wenige Tage nach dem Mähen blühen die kleinen Sternchen wieder in großer Zahl. Ihre Ausdauer lässt sie im Frühling, Sommer und Herbst blühen und macht sie zu einer Freude aller Naturfreunde und Kinder. 

Mich erinnern die Gänseblümchen an viele schöne Erlebnisse: Mit viel Geduld habe ich Ketten und Kränzchen aus ihnen geflochten. Dann habe ich sie mit viel zu kurzen Stielen gepflückt und mit strahlenden Augen meiner Mutter geschenkt: „Für dich!“. Und nicht zuletzt dienten sie als Orakel: „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht.“ 

Aber auch in der Naturheilkunde wurde das Gänseblümchen gerne als Schmerz- und Wundheilmittel eingesetzt, bzw. bei Liebhabern der Naturkost als scharf schmeckender Brotbelag oder lustiger Farbtupfer im Salat geschätzt. 

Gänseblümchen, die schöne Ausdauernde, sehe ich auch mit den Augen des Glaubens. Sie stehen für zweierlei: Zum einen zeigen sie, welch fröhliche und ausdauernde Vielfalt Gott geschaffen und geschenkt hat – das ist ein Anlass, über den ich mich freue. Zum Zweiten weisen die Gänseblümchen auf Ostern. Sie strecken sich immer der Sonne entgegen. 

Auch wir brauchen das Licht der Hoffnung um leben zu können. Gott, der Herr, ist Sonne und Schild. So bekennt es der Beter von Psalm 84. Gott will die Sonne und Hoffnung unseres Lebens sein. Und dass es so ist, das feiern wir zu Ostern. 

Eine gesegnete und hoffnungsvolle Osterzeit wünscht Ihnen Pfarrer Eric Maurer

2019
Februar

 

Meine Gedanken

Der Winter ist eine herrliche, friedliche Jahreszeit. Ich liebe den Schnee, die klirrend kalte Luft, die Landschaft, die so ganz anders aussieht, als im Frühjahr, Sommer oder Herbst. Jahreszeiten sind das Salz in der Suppe des Jahreslaufs, ein wunderbares Spiel der Natur und ein Stück Schöpfung, das ich nicht missen möchte. 

Und doch sehen wir den Schnee ganz unterschiedlich: Für Kinder bedeutet Schnee Freude und Spaß draußen. Für die Eltern bedeutet er die Pflicht, morgens und abends räumen zu müssen. Für den, der mit dem Auto oder mit der Bahn unterwegs ist, bedeutet er Behinderung und Verspätung. Alles geht langsamer, der Zeitplan droht zu kippen. Für Senioren nimmt die Sturzgefahr zu; es ist anstrengend, im Schnee einen Rollator zu schieben. So wird die weiße Pracht zur Last. 

Egal wie wir den Winter sehen: Im Schnee sind die Geräusche des Alltags gedämpft, alles klingt viel weicher. Es ist eine friedliche Jahreszeit. Und passt dieser winterliche Friede nicht zur Jahreslosung 2019? „Suche Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34,15). Das ist für mich die Zusage: Gott will uns mit seinem Frieden begleiten!  An uns ist es, aufmerksam zu bleiben: Was kann ich tun, dass dieser Friede Gottes in meinem Leben mehr Raum bekommt? 

Diese Suche wird sich im Verlauf des Lebens verändern, je nach unseren Kräften und Möglichkeiten. Aber eines bleibt immer gleich: Gott will unsere Sehnsucht nach Frieden stillen. Er will, dass wir ohne Angst und Sorge sein können. 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie im neuen Jahr diesen Frieden in Ihrem Alltag erleben und Gottes Kraft und reichen Segen spüren.  

Ihr Eric Maurer

2018
Dezember

 

Meine Gedanken

Draußen ist es dunkel geworden. Der Sommer mit seinen hellen Abenden ist vergangen. Fast vergessen ist das satte Grün der Blätter in den Bäumen. Wieder einmal ist die dunkle Jahreszeit da. 

Dunkelheit bedeutet aber auch Kerzenlicht. Und jede Kerze hat die Macht, die tiefste Finsternis mit ihrem Licht zu erhellen. Wenn ich Licht mache, dann sieht alles ganz anders aus. Freundlicher. Wärmer. Ich sehe ein bisschen klarer, was mich vorher im Dunkeln beunruhigt hat. 

In den nächsten Wochen erinnern wir uns an Jesus Christus. Bei seiner Geburt wurde es hell, so verkündet es uns die Bibel. Menschen haben sich auf den Weg gemacht und dieses Licht gesucht. Und Jesus ist immer wieder auf Menschen zugegangen, die im Dunkeln sitzen. Er hat mit seinem Leben das Licht und die Liebe Gottes zum Vorschein gebracht.

Die Lichter der Advents- und Weihnachtszeit zeigen mir: Gott ist mitten in der Welt. Er ist Mensch geworden. Und wo Gott ist – da verändert sich das Leben. Da wird es hell und warm.

So zünden wir in der Adventszeit immer wieder Kerzen an. Sie erinnern uns an das Gute, auf das wir zugehen. 

„Geh unter der Gnade“, so heißt es in einem modernen Kirchenlied (SvH 66). Mein Weg als Pfarrer führt mich seit November in Ihre Gemeinde. Das ist schön. Ich freue mich auf den Neubeginn, freue mich darauf, Sie kennenzulernen und Gottes Spuren zu entdecken. Gemeinsam mit Ihnen möchte ich mich auf den Weg machen und nach guten Wegen suchen, die wir gehen können. 

Gott ermutige und segne uns auf diesem Weg. Ihr Eric Maurer

2018
Oktober

 

Liebe Gemeindeglieder,

es gibt ein Kinderlied vom Teilen, in dem das Besondere der Melodie die Pausen sind. Vier Mal wird in jeder Strophe das Wort „teilen“ gesungen. Zwei Mal folgt danach eine lange Pause, einmal eine kurze und erst beim letzten Mal geht das Teilen ohne Unterbrechung. Das musikalische Pausenzeichen drückt unser Zögern aus, wenn es ums Teilen geht. Nein, wir teilen nicht immer gerne. Wir haben Angst, es könne für uns nicht genug übrig bleiben. Oder wir befürchten, ausgenutzt zu werden. Teilen will gelernt und eingeübt, das Zögern will überwunden werden.

Beim Martinsfest haben wir die Gelegenheit dazu. Mit dem Teilen der Martinshörnchen und im Hören auf die schöne Geschichte vom Heiligen Martin:

An einem bitterkalten Wintertag reitet Martin - damals noch römischer Offizier – auf das Stadttor der französischen Stadt Amiens zu. Ein fast unbekleideter Bettler wankt ihm entgegen. Martin empfindet tiefes Mitgefühl mit ihm. Er teilt seinen großen, wollenen Soldatenumhang mit dem Schwert in zwei gleiche Hälften und gibt eine davon dem Frierenden. In der Nacht träumt Martin. Er sieht Christus, der seinen halben Umhang trägt und sagt: „Martin, ich war der Bettler, dem du deine Barmherzigkeit geschenkt hast.“ Als Martin erwacht, weiß er, dass er sein Leben ändern möchte. Martin wird Mönch, lässt sich taufen und wird später zum Bischof von Tours gewählt. 30 Jahre lang übt er dieses Amt aus. Viele Menschen schätzen ihn sehr wegen seiner Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Bis zum heutigen Tag.   

Was ihr einem meiner geringsten Brüder (oder Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan (Mt 25,40), sagt Christus. Vom Heiligen Martin können wir das Teilen lernen. Ohne Zögern, ohne Angst. Und wo wir teilen, begegnet uns Christus. In dem Menschen, der Not leidet und unsere Hilfe braucht – in unserer Nachbarschaft, in unserem Land, in der Ferne.

Lassen Sie uns das Martinsfest feiern – und fröhlich das Teilen üben, Kinder und Erwachsene. Denn wo wir teilen, werden wir reich: an Liebe und Barmherzigkeit.

Herzlich grüßt Sie Ihre Pfarrerin Annette Waffenschmidt

2018
August

 

Liebe Gemeindeglieder!

„Zu diesem Anlass brauche ich einen Schlips!“ - sagte mein Sohn damals, als die Feier seines Schuleingangs an den Himmel kam. Seine Worte, die uns Erwachsene erstaunten und zugegebenermaßen auch ein wenig amüsierten, zeigten uns jedoch, welche große Bedeutung dieser Tag für ihn hatte. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ - diese Zeile aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse fiel mir ein, als ich meinen Sohn stolz in die Kamera blicken sah – mit der Zuckertüte im Arm, einem hellblauen Hemd und seinem – zum Anlass passenden – Schlips mit Bücherdesign. Für alle war deutlich zu sehen: hier steht kein kleines Kind mehr, sondern einer, der eine weitere Sprosse auf seiner Lebensleiter erklommen hat.

Übergänge wollen begleitet sein. Denn in alle Vorfreude auf das Neue mischt sich oft auch Ängstlichkeit und der ein oder andere Zweifel: Was kommt da auf mich zu? Werde ich den Erwartungen, die an mich gestellt werden, gerecht? Kann ich die neuen Aufgaben bewältigen?   

Es hilft, wenn ich weiß: ich bin nicht allein. Andere gehen diesen Weg gemeinsam mit mir. Und es gibt Menschen, die mich unterstützen, die mir Mut machen und die mich trösten, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt.  

Zum Schuleingang feiern wir eine Schulanfängerandacht (Sonnabend, 

18. August um 17 Uhr in der Kirche in Niederebersbach). Wir bitten Gott, die Schulanfänger/innen in ihrem neuen Lebensabschnitt „Schule“ zu begleiten. Und wir sprechen den Kindern Gottes Segen zu – als Stärkung und Ermutigung.    

Denn es tut gut, wenn ich gewiss sein darf: Gott begleitet mich auf Schritt und Tritt. Er weiß, wie sehr mein Herz manchmal pocht. Doch er gibt mir Mut und Kraft und Vertrauen. Ich darf mich darauf verlassen: Gott ist für mich da und hilft mir.

Eine Gewissheit, die nicht nur zum Schuleingang, sondern bei allen Übergängen, Neuanfängen und auch an den ganz gewöhnlichen Tagen gilt. Weil Gott zu uns sagt: „Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern, und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ (Josua 1,9 – Übersetzung: Hoffnung für alle)   

Herzlich grüßt Sie Ihre Pfarrerin Annette Waffenschmidt

2018
Juni

 

Liebe Gemeindeglieder!

Gegen alles ist ein Kraut gewachsen (mit einer Ausnahme … Sie wissen schon!).

Auch das Johanniskraut, das in den Tagen um die Sommersonnenwende seine leuchtend gelben Blüten öffnet, gehört zu den Heilpflanzen. Wie kaum eine andere Pflanze verbinden wir das Johanniskraut mit der Sonne. An den längsten Tagen des Jahres scheint es die Kraft der Sonne aufzunehmen – um sie dann in den dunkleren Tagen des Winters an die Menschen abzugeben. Das Johanniskraut bringt wärmende Sonnenstrahlen in traurige Gemüter – ein Wissen, das schon im Mittelalter bekannt war und heutzutage von der Schulmedizin bestätigt wird.

Die Pflanze blüht zum Johannistag, dem 24. Juni – daher ihr Name. An diesem Tag feiern wir den Geburtstag Johannes des Täufers – und die Lebensfreude. Im Bewusstsein, dass die Tage nun wieder kürzer werden und das Dunkel – langsam aber sicher – wieder nach uns greift.   

Sommerweihnacht – so wird der Johannistag auch genannt. Denn Johannes weist hin auf Jesus Christus, der im tiefsten Dunkel des Jahres zur Welt kommt. Um Licht und Hoffnung unseres Lebens zu sein. Um Gottes Liebe und Wärme in unsere menschliche Kälte, Angst und Traurigkeit zu bringen.

Ich lag in tiefster Todesnacht, / du warest meine Sonne, / die Sonne, die mir zugebracht / Licht, Leben, Freud und Wonne. / O Sonne, die das werte Licht / des Glaubens in mir zugericht', / wie schön sind deine Strahlen! (EG 37,3)

So dichtet Paul Gerhardt in einem meiner liebsten Weihnachtslieder. Jesus Christus ist die Sonne, die selbst die größte Dunkelheit erhellt.

Gegen alles ist ein Kraut gewachsen – heilende Kräfte, die Gott für uns wachsen lässt. Auch die Sonnenpflanze Johanniskraut gehört dazu.

Doch Gottes bestes Heilmittel gegen alle Lebensangst und unsere Mutlosigkeit ist das „Reis aus dem Stamm Isais“ (Jes. 11,1). Mit diesem Bild beschreibt die Bibel den kommenden Retter der Welt – den Friedensbringer, der auch unser Leben heil machen möchte: Christus – für den Johannes den Weg bereitet.  

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit!

Ihre Pfarrerin Annette Waffenschmidt

2018
April

 

Liebe Gemeindeglieder,

in der orthodoxen Kirche wird im Ostergottesdienst laut und kräftig gelacht. Denn: zu Ostern wird der Tod ausgelacht. Er ist besiegt und hat seine Macht verloren. Jesus Christus ist auferstanden. Am Ostermorgen hat er neues, unvergängliches Leben ans Licht gebracht – und dem Tod seinen Schrecken genommen.

Der Tod wird ausgelacht. Wir müssen ihn nicht mehr todernst nehmen. Er hat keine Macht über uns und keinen Anspruch auf unser Leben. Wir dürfen mit Jesus Christus leben und wie er vom Tod auferstehen. Am Osterfest feiern wir den Sieg des Lebens. Gott ist stärker als Hass, Gewalt und Unterdrückung und alles, was das Leben zerstört. Nichts und niemand – auch nicht der Tod – vermag uns aus Gottes Hand zu reißen.

Im Spätmittelalter stand das Osterlachen in hoher Blüte. Die Priester gackerten wie die Hühner, erzählten schlüpfrige Anekdoten, machten Handstände auf der Kanzel um das Kirchenvolk zum Lachen zu bringen. Bis es den Kirchenoberen zu bunt wurde und alle theatralischen Darbietungen verboten wurden.

Gut so. Denn: Ostern braucht keine Faxen. Wenn der Glaube an die Osterbotschaft Wurzeln in uns geschlagen hat und uns in unseren Ängsten trägt, können wir aufatmen – und von ganzem Herzen, fröhlich und befreit lachen - z.B. über die folgende kleine Anekdote, in der die Osterbotschaft – vielleicht ganz nebenbei aber dafür mit sehr viel trockenem Humor – verkündigt wurde:

Der Preußenkönig Friedrich der Große (wir erinnern uns: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.“) soll einen Pfarrer von seinem Amt entheben, weil dieser in seiner Osterpredigt öffentlich verkündigt habe, er könne aus Vernunftgründen nicht an die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag glauben. 
Der König soll die Eingabe mit folgenden Worten abgewiesen haben:
“Dit is janz und jar seine Sache, wenn er nich auferstehen will, denn soll er doch meinetwejen am Jüngstn Tach liejen bleibm.“

Ich wünsche Ihnen ein fröhliches und gesegnetes Osterfest!

Ihre Pfarrerin Annette Waffenschmidt

2018
Februar

 

Liebe Gemeindeglieder,

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ (Offenbarung 21,6) – So lautet die Jahreslosung für dieses neue Jahr.

Durst ist ein sehr unangenehmes Gefühl: der Mund ist trocken, die Zunge klebt am Gaumen, das Sprechen fällt schwer und alles dreht sich nur noch darum, endlich etwas zu trinken zu bekommen.

Dass Durst so intensiv ist, hat die Natur gut eingerichtet. Denn: wir können mehrere Tage ohne zu essen, aber eben nicht mehrere Tage ohne zu trinken leben. Durst zu spüren ist lebensnotwendig. Durst treibt uns an, nach dem zu suchen, was wir zum Leben brauchen.

In der Jahreslosung geht es um mehr als den Durst nach Wasser. Es geht um unsere Sehnsucht nach Veränderung, um unseren Durst nach Leben, Liebe und Anerkennung.

Die Jahreslosung weckt Hoffnung: mitten in der Wüste entspringt ein Fluss lebendigen Wassers. Er durchbricht unseren Alltag mit seinen Mühen und Durststrecken und verspricht unseren Lebensdurst zu stillen. Umsonst, gratis sprudelt die Quelle der Zuversicht.

Wer aus der Quelle des lebendigen Wassers schöpft, kann auch anderen Durstigen den Kelch reichen. So vieles lässt dieses Wasser wachsen: Begegnung, Lebendigkeit, Gespräche, erfrischendes Neu-Denken und Neu-Handeln.

Die Quelle – für mich ist sie Zeichen für Gottes Gnade. Jede/r ist von Gott begnadet. Im Raunen der Quelle flüstert Gott uns zu: So viel steckt in dir. So viel Begabung, so viel Schönes. Niemand darf dir das absprechen. Auch du dir selbst nicht.

Gottes Quelle ist unerschöpflich. Aus ihr fließt uns die Kraft zu, uns zu öffnen, uns der Welt und anderen zuzuwenden.    

Die erfrischende Botschaft soll erfahrbar werden – in unserer Gemeinde, durch uns. Durch Gottes Wort und durch unseren Mut und unsere Zuversicht.

Wir sind bedürftig und wir reichen weiter. Beide Male dürfen wir aus Gottes Quelle schöpfen. Aus ihr fließt Kraft und Hoffnung. Für uns und andere.  

Ich wünsche Ihnen ein lebendiges Jahr mit Gottes Segen und dem Segen unseres Miteinanders!

Ihre Pfarrerin Annette Waffenschmidt

2017
Oktober

 

Liebe Gemeindeglieder!

„Leben – einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald, das ist unsere Sehnsucht.“

Dies schreibt der türkische Dichter Nâzim Hikmet. Die Bäume auf unserm Titelbild – eine Kiefer und eine Eiche - haben sich anders „entschieden“. Eng umschlungen sind sie miteinander verwachsen, teilen sich den Platz in der Erde und die Luft zum Atmen. Ein außergewöhnliches Bild entstanden auf einer unserer Wanderungen durch den sächsischen Wald - ein Bild, das ich zuvor so noch nie gesehen hatte. Zwei ganz unterschiedliche Bäume, ein Nadel- und ein Laubbaum, die doch unterschiedliche Ansprüche z.B. an den Boden stellen, können miteinander wachsen, wirken beide  gleich stark. Keiner scheint auf Kosten des anderen zu leben. Was auf den ersten Blick so romantisch aussieht, haben die beiden Bäume wohl kaum selbst gewählt. Niemand wird sie so gepflanzt haben. Sie wachsen vermutlich an dem Platz, an dem sie aufgegangen sind. Dürfen vermutlich so weiter wachsen, gerade weil sie – direkt am Wegrand – den Vorübergehenden ein besonderes Bild, einen Einblick in die Launen der Natur geben. Die beiden Bäume „können“ wohl gar nicht anders als so eng miteinander verbunden zu sein. Einzeln und frei – das stand für sie nicht zur Wahl.

Wo Bäume - und wir Menschen! - in der Regel einen gewissen Abstand zueinander brauchen, hat Jesus Christus die Nähe zu uns gewählt. Im Philipperbrief (Kapitel 2, 5-11) heißt es: Jesus Christus hat auf alle himmlischen Vorrechte verzichtet, um uns Menschen nahe zu sein und Gottes Liebe unter uns zu leben. Von Anfang an – bis zu seinem bitteren Tod am Kreuz. Das Bild der Bäume erinnert mich daran: Jesus hat seinen Platz an der Seite von uns Menschen gesehen. Nichts kann uns von seiner Liebe trennen. Ganz nahe möchte er uns sein. Seine Liebe macht uns stark und lässt uns wachsen. Ein Bild, das Mut macht und das ich Ihnen gerne weiter geben möchte.

Vielleicht kann das Bild der Bäume auch ein Bild für uns sein: damit auch wir die Liebe, aus der wir leben, weitergeben – an den Platz, an den Gott uns stellt.

Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Annette Waffenschmidt  

2017
August

 

Als Kind im Grundschulalter nahm ich einmal an einem Rollerrennen teil. Von den sportlichen Jungen und Mädchen sah ich bald nur noch die Rücken. Niemand interessierte sich dafür, als ich am Ziel eintraf. Dort war bereits die Siegerehrung im Gange. Trotzdem kam ich glücklich nach Hause. Immerhin, der 1. Platz war an einen Jungen aus meiner Klasse gegangen. Doch was viel wichtiger war: Mein schwerer Holzroller war ein Eigenbau, entstanden unter den geschickten Händen meines Vaters. Keines von den Kindern mit ihren modernen Leichtmetall – Fahrzeugen konnte da mithalten!

Was ist wirklich wichtig? Jesus lädt ein, Gewohntes in Frage zu stellen. Im Reich Gottes gelten ganz andere Wertmaßstäbe als in unserer Welt. Menschen, die sich als totaler Verlierer fühlen, werden wichtig genommen und ermutigt, zum eigenen Leben Ja zu sagen. Vorsicht mit der viel gepriesenen Lebenshaltung, sich stets zuerst auf eigene Kräfte und Fähigkeiten zu verlassen! So werden Siegertypen gewarnt. Das kleine Erlebnis mit dem Rollerrennen, an das ich heute manchmal schmunzelnd zurück denke, ist mir zum hilfreichen Gleichnis geworden.

Es grüßt Sie in herzlicher Verbundenheit Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2017
Juni

 

Liebe Gemeindeglieder!

Dieser Satz ist sicher das weltweit bekannteste Lutherzitat. Historiker stellen inzwischen in Frage, ob genau dieser Wortlaut auf dem Reichstag zu Worms   ausgesprochen wurde. Auf jeden Fall fasst dieser Satz einen wesentlichen Grundzug der Reformation kurz und treffend zusammen: Jeder glaubende und denkende Mensch ist in der Verantwortung Gott und seinem Gewissen gegenüber. Gesetze, Vorschriften und Erwartungen können wichtig sein, denn sie dienen der Ordnung im Zusammenleben der Menschen. Doch die Grundentscheidungen des Glaubens kann keiner dem anderen abnehmen.

Was als innerkirchliche Diskussion begann, hatte Folgen in der Geisteswelt und im praktischen Leben der Menschen bis hinein in Politik und Wirtschaft. 

Manches, was uns heute völlig selbstverständlich erscheint, wäre ohne den Denkanstoß von damals niemals zustande gekommen. Das beginnt mit der Schulbildung und reicht bis zum Wahlrecht. Selbst die Wertschätzung einer menschlichen Arbeitsleistung wurde durch die Reformation entscheidend gefördert. Im Alltag findet der christliche Glaube sein Bewährungsfeld. Ob in der Familie, im Beruf oder im Zusammenleben der Gesellschaft, überall sind wir aufgerufen, das Leben am Wort und am Willen Gottes auszurichten.

Das große Jubiläum „500 Jahre Thesenanschlag“ bewegt uns nicht nur in den Gemeinden. An vielen Stellen in der Gesellschaft wird das Festjahr sich finden lassen. Ein besonderer Höhepunkt beginnt mit dem „Kirchentag auf dem Weg“ und endet mit dem Festgottesdienst vor den Toren von Wittenberg am 28. Mai. Für alle, die nicht vor Ort dabei sind, sei die Übertragung im Fernsehen empfohlen. Wir werden an diesem Sonntag ab 12:00 Uhr in der Kirche Oberebersbach vor der Videoleinwand dabei sein.

In Vorfreude auf dieses besondere Ereignis grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Matthias Spindler.

2017
April

 

HIMMELFAHRT CHRISTI ODER HERRENPARTIE?

Es gibt Menschen, die am liebsten in Zahlen denken. Zu ihnen gehörte der Schriftsteller Lukas. Vierzig Tage nach der Auferstehung – so berichtet er in seinem Evangelium – nimmt Jesus Abschied und kehrt zurück zu Gott dem Vater. Zehn weitere Tage vergehen, ehe die Jünger mit neuer Kraft ausgerüstet werden. Beschenkt mit Gottes Heiligem Geist können sie die Jesusbotschaft verkünden, so fröhlich und ansteckend, dass viele andere Leute dazu gehören wollen und Gemeinden entstehen.

Seit dem 5. Jahrhundert folgen Christen der zeitlichen Abfolge des Lukas – Evangeliums. Die Zahl Vierzig diente als Entsprechung zur Fastenzeit vor dem Osterfest. Den sichtbaren Wolkenhimmel und den unsichtbaren Wohnort Gottes als Zusammenhang zu denken, war für die Menschen des Altertums einfach. Heute macht uns diese Zuordnung Mühe. Vielleicht hat dieser Umstand jene dumme kleine Verwechslung befördert, die im 19. Jahrhundert Verbreitung fand: Einige Männer meinten plötzlich, mit „Herr“ seien sie gemeint, und sie funktionierten den Tag der Erhöhung von Jesus um zum Ehrentag für sich selber. Von nun an wurde „Männertag“ gefeiert, am liebsten in Form einer „Herrenpartie“ und meist mit reichlich Alkohol.

Als kleine Hilfe zum besseren Verstehen bietet sich das Kugelkreuz an. Denn in dieser Zierde unserer Kirchtürme steckt eine uralte Symbolik: Lange bevor man von einer Erdkugel sprach, stellte man sich das Universum in dieser Form vor. Die allerältesten Jesusdarstellungen zeigen den erhöhten Christus auf einer Kugel sitzend, also als den Herrn über das gesamte Weltall. Und genau das möchte ich zum Himmelfahrtsfest feiern: Jesus ist nicht als Mensch auf der Straße für mich greifbar. Doch diese scheinbare Entfernung ist in Wirklichkeit umfassende Nähe. Der erhöhte Herr will ständig bei uns sein. 

Wie auch immer wir den Himmelfahrtstag begehen werden – ich wünsche uns ein kleines Stück der großen Freude, von der Lukas erzählt. Denn Jesus ist da, sein Segenshandeln geht weiter, an jedem Tag und an jedem Ort! 

In dieser fröhlichen Gewissheit grüßt Sie Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2017
Februar

 

Die wahre Liebe (nach einem japanischen Märchen)

Ein Bauer kämpfte sich durch meterhohen Schnee durch seinen hoch am Berg liegenden Hof nach Hause. Die müden Füße wollten ihn kaum mehr tragen. Immer tiefen sank der erschöpfte Mann in den Schnee ein. Auf einmal war eine alte Frau neben ihm. Ihr Gesicht war von Sorge und Leid zerfurcht. Als der Bauer kaum mehr gehen konnte, reichte ihm die alte Frau ihre von harter Arbeit gezeichnete Hand. Und sonderbar, die alte, zarte Frau zog ihn besser als der stärkste Mann vorwärts. Der Bauer hielt die Hand fest. Ganz warm strömte es von der Frau zu ihm herüber.

„Wer bist du?“ fragte der Bauer verwundert. „Und wo kommst du her?“ „Ich wohne überall“, sagte die Alte. „So bist du also kein Mensch?“, entsetzte sich der Bauer. „Nein“, sagte die Alte, „ich lebe nur unter den Menschen.“ „Dann bist du die Sorge, der Kummer, die Not, die jeden Menschen begleitet?“ „Nein“, lächelte die Frau, „ich bin die Liebe, die echte Liebe!“ Da blieb der Bauer verwundert stehen und schaute auf das zerfurchte Gesicht, die rauen Hände, das weiße Haar und den gebeugten Rücken der Alten. „Die Liebe stelle ich mir anders vor. Die prangt in Schönheit, hat blühende Farben, eine roten Mund zum Küssen und einen prallen Leib zum Umarmen!“ „Ach, du meinst die Lust, die sich manchmal als Liebe ausgibt. Nein, die Liebe ist ganz anders. Denk mal nach, wann du der Liebe in Wahrheit begegnet bist. Wie bist du auf die Welt gekommen, wer hat dich zärtlich aufgezogen, nachts gewacht und tags gesorgt, wer hat Ungerech-tigkeit erduldet und mit Güte beantwortet, wer hat die Mühen und Leiden des Alltags getragen, wer hat die harten, egoistischen Herzen verwandelt? Das war die Liebe, die echte Liebe!“

„Du hast recht“, sagte der Bauer. „Die echte Liebe hat – und darum bin ich so zerfurcht und gebeugt – das Schwerste zu tun. Sie muss überall da sein, wo Menschen in Lust und Leidenschaft Leben zerstören und Gutes versäumen. Wenn Menschen richtig leben wollen, muss ich ihnen helfen, das Leid zu tragen, ohne das es keine echte Liebe gibt. Ich muss sie stark machen zum Opfer. Die glänzenden Bilder, die verführen und bezaubern, sind nur Trug und Schein. Die echte Liebe geht von Arbeit gebeugt, von Leid gezeichnet und doch voll Kraft und Ausdauer ihren Weg.“ „Warum verlässt du mich dann schon?“, fragte der Bauer, als die alte Frau sich zum Gehen wand. „Ich bin jetzt in dir, Bauer“, sagte die Frau. Und sie hatte recht. Der Bauer fühlte es zwar selber nicht, aber alle anderen Menschen in seiner Umgebung fühlten es von da an.

2016
Dezember

 

Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.  (aus Johannes 3)

Auf unserem Titelbild stehen sich Licht und Dunkelheit deutlich gegenüber. Ein kleiner Lichtkreis verbreitet einen hellen Schein. Im Mittelpunkt liegt ein hilfloses Kind in den liebevollen Händen seiner Mutter. Darstellungen der Weihnachtsgeschichte, in Bildern gemalt oder spielerisch in Szene gesetzt, sind uns vertraut und gut bekannt. Dennoch lädt die alte Botschaft uns jedes Jahr neu zum Staunen ein: Gott kommt auf die Erde! Der Herr aller Welt will kein ferner Zuschauer bleiben. Er lässt sich persönlich betreffen vom Ergehen seiner Menschen. Er begibt sich mitten hinein in die Finsternis, um das Licht dorthin zu bringen, wo es am dringendsten gebraucht wird.

Das Licht hat viele Farben. Doch auch das Dunkel kann unterschiedlich aussehen. Menschen rackern sich ab und verschleißen ihre Kräfte, um dem Dasein einen bleibenden Sinn abzutrotzen. Enttäuscht und hoffnungslos haben andere es aufgegeben, vom Leben und der Zukunft etwas Gutes zu erwarten. Reale Nöte flimmern in solcher Häufung über unsere Bildschirme, dass nur ein kleiner Teil davon noch unser Herz erreicht. Die Gefahr ist groß, uns abzusondern und anderen die Schuld zu geben. Aber Gott gibt nicht auf. Er will uns mit hinein nehmen in seine Bewegung der Zuwendung und der unverdienten Güte. Dietrich Bonhoeffer hat es einmal so gesagt:

„Wenn wir nicht durch dieselbe Liebe selig werden wollen, die auch unseren Feinden gilt, dann haben wir uns schon von der Seligkeit ausgeschlossen.“

Das ist mein Weihnachtswunsch für uns alle, dass Gottes Liebe ankommt bei uns und durch uns bei den Menschen, die sie dringend brauchen. In diesem Sinne gesegnete Weihnachten!  

Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2016
Oktober

 

Der Totensonntag begeht seinen 200. Geburtstag

Im späten Herbst, wenn kahle Baumkronen uns an die Vergänglichkeit unseres Lebens erinnern, spielen in den Gottesdienten die Themen um Tod und Auferstehung, Gericht und Gnade eine zentrale Rolle. Es war im Jahr 1826, als Friedrich Wilhelm III. für den Sonntag vor dem ersten Advent ein „Allgemeines Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“ anordnete. Andere Landeskirchen übernahmen die Praxis aus Preußen. Dieser wichtige Gedenktag wird heute nicht nur von Christen begangen.

Verstorbene würdig zu bestatten war zu allen Zeiten Teil der menschlichen Kultur, auch wenn die äußeren Formen sich immer wieder verändern. Als Beispiel sei die Feuerbestattung genannt. Von Christen lange als heidnisch abgelehnt, gehört sie heute zum üblichen Angebot. Das kleinere Urnengrab kommt dem zunehmenden Bedürfnis sehr entgegen, den Arbeitsaufwand für die Pflege von Gräbern möglichst überschaubar zu halten. 

Sehr gründlich überdacht sein sollte jede Form einer anonymen Bestattung. Die Begründung „Ich will niemandem zur Last fallen“ kann lieb und ehrlich gemeint sein. Dabei darf aber nicht vergessen werden, wie wichtig für die Hinterbliebenen ein Platz sein kann, an dem die Trauer ihren guten Ort hat. Mit einem Abschied leben zu müssen ist ein Weg, der uns verändert. Die Gedanken und Gefühle, die im Herzen Platz beanspruchen, werden nach einigen Monaten und Jahren anders sein als in den ersten Tagen der Trauer.

Um einem Verstorbenen gerecht zu werden, ist es nötig, seine Wünsche und Gedanken zu kennen. Deshalb ist es gut, darüber ins Gespräch zu kommen. Der Glaube an die Zusage Gottes, dass er Wege für uns hat, wo alle unsere Vorstellungen enden, kann eine große Hilfe sein. Über das Sterben hinaus dürfen wir Hoffnung haben. Die Angst vor dem Tod verliert an Bedeutung. Die Trauer um einen lieben Menschen wird ergänzt durch das Vertrauen, den Heimgerufenen in Gottes Händen geborgen und getragen zu wissen.

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Matthias Spindler

Kleine Denkanregung zum Buß – und Bettag am 16. November:

Wenn wir beten, halten wir Rast bei größerem Frieden als unserem eigenen, atmen wir den frischen Wind einer großen Gerechtigkeit, spüren wir einen Hauch eines liebevollen Geistes, gönnen wir uns eine Wahrhaftigkeit, die uns die Augen öffnet.

(Frieder Burkhardt)

2016
August

 

Liebe Gemeindeglieder!

Dieses Wort aus dem Neuen Testament ist der Leitspruch der Arbeit der Diakonie Riesa – Großenhain, die in diesem Sommer ihr 25 – jähriges Bestehen feiert. Dazu wird es eine Vielzahl von Veranstaltungen geben, unter anderem ein Festgottesdienst zum Diakoniesonntag am 21. August in Riesa, einen interessanten Gemeindeabend in Niederebersbach (am 23. August) sowie Benefizkonzerte und weitere Vortragsabende.

Von der Nächstenliebe als Ausdruck des Glaubens steht viel in der Bibel. Zur Lebenspraxis werden kann diese im persönlichen Lebensvollzug oder gemeinsam organisiert in gemeinnützigen Aktivitäten. Auf einem Kirchentag in Wittenberg wurde 1848 der „Verein für Innere Mission“ gegründet. Nach wechselvoller Geschichte entstand das „Diakonische Werk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen e.V.“ 1990 neu in Vereinsform. Ein Jahr später erfolgte die Gründung des Kreisvereines Großenhain, der 1999 mit einem weiteren Großenhainer Diakonieverein verschmolz und seit 2005 zusammen mit den diakonischen Aktivitäten in und um Riesa tätig ist.

Heute arbeiten fast 500 hauptamtliche Mitarbeiter in den Einrichtungen der SCHULANFANG weitere Einrichtungen und Angebote sind im Förderverein oder unter www.diakonie-rg.de weitere Informationen zu bekommen. 

Es gratuliert ganz herzlich zum diesjährigen Jubiläum, wünscht einen guten Sommer und grüßt Sie alle herzlich                 

Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2016
Juni

 

Liebe Gemeindeglieder!

Die Kirchen in Reinersdorf und Ebersbach stehen alle drei auf unseren Friedhöfen, umgeben von Gräbern. Das ist Absicht. Die Botschaft vom Leben erreicht uns da, wo Tod und Vergänglichkeit zu spüren und zu beklagen sind. Die Grabdenkmäler der Kirchenpatrone (heute würden wir von Sponsoren sprechen) folgen genau diesem Zweck. Auf unserem Titelblatt sehen wir das Grabmal der Familie Kommerstaedt hier in der Kirche von Reinersdorf.

Das kunstvolle Marmor - Epitaph aus dem 16. Jahrhundert ehrt den Erbauer unseres  Gotteshauses und seine Angehörigen. Aber das ist nur die eine Seite seiner Bedeutung. Durch den Platz im Altarbereich wird deutlich gemacht: Diese Verstorbenen bleiben in unserer Nähe. Für uns unerreichbar sind sie nach wie vor im Zuständigkeitsbereich unseres lebendigen Herrn. 

Auf dem Höhepunkt der längsten Tage feiern wir ein fröhliches Fest. Wenn es das Wetter erlaubt, versammeln wir uns zu Johannis auf dem Friedhof. Wir machen uns bewusst, wie nahe Werden und Vergehen einander sind. Der Sommer fängt gerade richtig an, das bunte Frühlingsblühen ist bereits beendet. Beides, Kommen und Gehen, gehört untrennbar zusammen. Unter  den neueren Liedern für diesen Anlass findet sich der folgende Text:

Das Jahr lehrt Abschied nehmen, schon jetzt zur halben Zeit.

Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit,

die Tage loszulassen und was vergänglich ist,

das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist.

Nein, die Todesnähe auf dem Friedhof muss uns keine Angst machen. Die Menschen, die hier begraben liegen, dürfen dabei sein, wenn wir Andacht halten und hinterher noch ein wenig beisammen bleiben. Gottes Zeitmaß ist anders. Die Trennung zwischen uns, denen noch Lebenszeit geschenkt ist, und unseren Lieben, die bereits vorausgegangen sind, für unseren Herrn und seine Möglichkeiten spielt sie eine untergeordnete Rolle. Das gilt zu jeder Jahreszeit. Der Johannestag ruft es uns neu in Erinnerung.

Einen segensreichen Sommer wünscht uns allen Ihr Pfarrer M. Spindler.

2016
April

 

Liebe Gemeindeglieder!

Am 23. April feiert das älteste gültige Lebensmittelgesetz der Welt seinen 500. Geburtstag. Das Reinheitsgebot schreibt vor, woraus Bier besteht: aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Die Idee, Getreidestärke zu einem Getränk zu vergären, stammt aus dem Altertum.

Im Mittelalter bekamen die vergorenen Getränke eine neue Wichtigkeit, da in den Städten kaum noch sauberes Trink-wasser zur Verfügung stand. Heutige Biersorten sind erheblich stärker im Geschmack und im Alkoholgehalt, die Tradition der Braukunst aber folgt nach wie vor den gleichen Arbeitsschritten.

REINHEIT ist für unsere Lebensmittel  unverzichtbar. Zugleich spielt das Wort auch in der Bibel eine wichtige Rolle. Das fängt mit der Taufe an, die als „Bad der Reinigung und der Wiedergeburt“ bezeichnet wird. Christen sind aufgefordert, den „neuen Menschen anzuziehen“, so wie man ein sauberes Kleidungstück anzieht. Körperliche Hygiene dient bekanntlich nicht nur dem Wohlgefühl, sondern vor allem der Erhaltung unserer Gesundheit.

Zur Reinheit führen zwei Wege. Einer besteht in der Vermeidung jeglicher Verunreinigung. Weil uns das weder äußerlich noch in der Welt unserer Gedanken auf Dauer gelingt, gibt es die andere Möglichkeit: Wir dürfen alten Dreck loswerden und neu durchstarten. Was die Bibel kurz „Vergebung“ nennt, brauchen wir als Hilfe für unser Leben. Das Geschenk anzunehmen und es anderen anzubieten gehört eng zusammen.

Dass uns beides gelingen möge, wünscht allen Ihr Pfarrer Matthias Spindler

ZWEI GEDANKEN ZUR EIGENEN BESINNUNG

Noch ehe deine Füße eigene Schritte tun, weiß Gott den Weg für dich und führt dich seine Pfade. Noch ehe deine Lippen die Worte sprechen, ist sein Wort über dir, sagt: du bist mein. Noch ehe das Leben dich fordernd empfängt, weiß er sich gefordert, deine Hilfe zu sein. Noch ehe du antworten kannst, umhüllt dich sein Segen.

Wilma Klevinghaus

Wir können nur bitten, dass die, welche den Aufstand proben gegen Werte, die es verdienen, an die Jugend weiter gegeben zu werden, gründlich bedenken, ob sie dem seit Jahrtausenden und durch alle Gesellschafts-systeme hindurch Bewährten Ebenbürtiges entgegenzusetzen haben, oder ob sie riskieren, die Jugend und damit unsere Gesellschaft von morgen ins Bodenlose stürzen zu lassen.

Familie Mieth, Großröhrsdorf

2016
Februar

 

Liebe Gemeinde, liebe Leser!

Hätten Sie es gewusst, mit welchem Song im Jahr 1969 das legendäre Woodstock–Festival eröffnet wurde?   „Motherless Child“, gesungen von Richie Haven. Der Text erzählt von der Not der Sklaven: „Manchmal fühle ich mich wie ein mutterloses Kind, weit, weit weg von zu Hause“.

Treffender kann Trostlosigkeit kaum ausgedrückt werden. Was ist nötig, um getrost seinen Lebensweg gehen zu können? Ein Zuhause haben und einen Menschen, der Nähe schenkt!

Die tröstende Mutter ist sicher das Urbild menschlicher Zuwendung. Ein liebevoller Vater oder ein verständnisvoller Freund kann ähnlich erlebt werden. Ursprünglich stammt „Trost“ von dem Wort „treu“ ab. Ehrliche Zuwendung, verbunden mit stabiler Zuverlässigkeit, das ist es, was uns innere Festigkeit und Lebensmut gibt. Die Jahreslosung lädt uns ein, diese Ermutigung bei Gott zu suchen. Dabei gehören zwei  Schritte zusammen: In Gottes Nähe werde ich verstanden und ernst genommen. So, wie ich bin, kann ich durchatmen und zu Hause sein. Zugleich öffnen sich Türen, neue Wege werden sichtbar. Begleitet und gestärkt kann ich daraufhin losgehen und die nötigen Schritte wagen.

In der Sprache der Bibel kann „Trost“ und „Ermutigung“ die gleiche Vokabel sein. In einem seiner Briefe schreibt der Apostel Paulus über den „Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes“ sinngemäß:  „Er ermutigt mich in jeder Bedrängnis. Darum kann ich auch anderen Mut machen. Ich gebe etwas weiter von dem, was mir von Gott an Hilfe und Trost zufließt.“ Wo immer uns Trostlosigkeit begegnet, wir sind nicht hilflos und allein. Mögen es Menschen neben uns spüren, dass von Christen Ermutigung ausgeht, weil sie selbst getrost sein können!

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2015
Dezember

 

„Das Universum in der Nussschale“

So heißt die Miniatur auf unserem Titelbild, gefertigt von einem Künstler aus Tirol. Die Darstellung wirkt niedlich, die Hauptfiguren sind ungefähr so groß wie ein Daumennagel. Bewundernswert ist die filigrane Fertigkeit des Schnitzers. Mindestens ebenso bewundernswert: In etwas Winzigem steckt etwas Großes! Eine der allerwichtigsten Szenen unserer Glaubens-geschichte wird hier auf kleinstem Raum erzählt. Der unbegreifliche Gott, jenseits unserer Vorstellungskraft in seiner Größe und Erhabenheit, gibt sich hinein in unsere menschlichen Dimensionen von Raum und Zeit. Er, der Anfang und Ende des gesamten Kosmos, wird im Menschenkind zum kleinsten Teil der Welt. Und er lebt uns vor, was unsere Menschenwelt zusammenhält: Eine Liebesbeziehung in ihrem einfachsten Modell, in der Familie. Hier nimmt Gottes JA-Wort Menschengestalt an.

Das lässt sich nicht naturwissenschaftlich beobachten, messen, beschreiben oder reproduzieren. Die Gesetze der göttlichen Liebe unterscheiden sich von denen der Mathematik. Doch auch in der Welt der Naturwissenschaft kann niemand sagen, was genau die Welt im Innersten zusammenhält. Es scheint, als könnten sich Glaube und Wissenschaft die Hände reichen. Wir wissen heute viel über den Aufbau des Universums und über seine Entstehung. Wo aber liegt der Sinn, was ist die Absicht hinter den historischen Abläufen? Ob ich die Welt im schlichten Glauben anschaue oder naturwissenschaftlich interessiert und informiert nach den Zusammenhängen frage, in keiner der Betrachtungsweisen kann ich die gesamte Wirklichkeit erfassen. So können Glauben und Wissen einander wundervoll ergänzen. Genau genommen sind alle Fragen nach den letzten geheimen Zusammenhängen ohnehin Theorie, nur sehr lose mit meinem täglichen Leben verbunden.

Wenn ich an die Liebe Gottes glaube, die zu Weihnachten offenbar wurde, hat das praktische Folgen. Ich muss selber diese Liebe leben. Nur so kommt Gottes Absicht zum Ziel. Der Zusammenhalt zwischen uns Menschen als einem Teil der Schöpfung wird zum Abbild jener Kräfte, die alles zusammen halten. Es ist die Nussschale unseres Alltagsuniversums, in dem das Leben spielt, auf Arbeit und in der Schulklasse, zwischen Nachbarn und Freunden, in Wohnort, Kirchgemeinde und Familie. Weihnachten muss kein fernes Ereignis bleiben. Ein heilendes Wort, ein Kinderlachen, ein Händedruck, eine Umarmung oder eine Hand, die zur Versöhnung ausgestreckt wird, so klein und doch so groß kann Gottes Liebe bei uns ankommen.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest wünscht in diesem Sinne Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2015
Okotober

 

Zum Reformationstag: Wandertipp und Glaubenszeugnis

Wer in der Sächsischen Schweiz zwischen Hinterhermsdorf und dem Großen Winterberg auf dem Stimmersdorfer Weg wandert, kommt am Altarstein vorbei. Die Inschrift aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges ist nur noch teilweise zu erkennen. Sie lautet: „Hier hielten verfolgte böhmische Protestanten unter Kaiser Ferdinand II. um das Jahr 1630 Gottesdienste ab.“

Bei dem Stichwort „Reformation“ denken wir zuerst an Martin Luther. Das ist richtig. Dennoch waren die Ereignisse wesentlich umfassender. Erneuerungsbewegungen gab es in der Christenheit schon immer. Etwa einhundert Jahre vor Luther war es Jan Hus, der die Aussagen der Bibel dem tatsächlichen Leben der Kirche gegenüber stellte und Veränderungen forderte. Wenn Menschen, die den Glauben an Jesus Christus öffentlich vertreten, nach Macht und Geld suchen, wenn man kirchliche Ämter oder persönliche Schuldvergebung kaufen kann, ist Umdenken angesagt. Viele von diesen wichtigen Gedanken hat Martin Luther später aufgenommen.

In Böhmen löste der gewaltsame Tod von Jan Hus (am 6. Juli 1415) einen   Aufstand aus. Ein Teil der „Hussiten“ wurde zur Terrorbewegung, die in den Nachbarländern große Zerstörungen anrichtete. Viele andere lebten ihren Glauben in der Stille. Wurde ihnen das verwehrt, waren sie bereit, ihre Heimat zu verlassen und sich dort anzusiedeln, wo man sie duldete. So wurde das Vogtland zum „Musikwinkel“, nachdem Böhmische Brüder, die das Geigenmacher-Handwerk ausübten, dort eine neue Heimat gefunden hatten. Und so entstand die Glaubensbewegung von Herrnhut, die uns vor allen Dingen durch die Losungshefte und den Adventsstern bekannt ist. 

Beim Wandern am Altarstein bin ich nachdenklich geworden. Wozu sind wir bereit und was würden wir wagen, um unseren Glauben in Freiheit leben zu dürfen? Darüber lohnt es sich einmal nachzudenken.

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2015
August

 

Jesus Christus spricht: „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“

Ein Tier ohne Beine – so etwas konnten Menschen vergangener Zeiten wohl nur als eine Strafe Gottes begreifen. In der Natur kommen Schlangen damit prima zurecht. Die Bibelgeschichte von Paradies und Sündenfall klingt für manchen modernen Menschen wie ein Märchen. Dabei erzählt sie sehr viel Wahres über Gott und die Menschen. „Die Schlange war das Klügste von allen Tieren“, heißt es da. Den Ruf als bösartiges oder teuflisches Tier haben erst spätere Generationen diesen zumeist friedlichen Tieren angehängt. Jesus nimmt sie als Vorbild in seine Verkündigung auf. Denn Klugheit muss nicht mit Hinterlist einhergehen.

Ohne jede Falschheit – das traut Jesus uns zu und benutzt dafür die Taube als Bild. Ob das wohl daran liegt, dass Tauben überschaubare Linien fliegen und keine Zickzack-Bahn? Zum Symbol des Friedens wurde die Taube mit dem Ölzweig aufgrund der uralten Geschichte von der großen Flut: Die Arche landete auf festem Boden und Noah sandte eine Taube aus. Als sie mit dem grünen Zweig einer Ölpflanze zurück kehrte, sah er: Die Erde ist wieder bewohnbar. 

Tiere als Vorbild oder Wegweiser für uns Menschen  gibt es in der Bibel an vielen Stellen. Von sehr kleinen Tieren heißt es in der Sammlung der Sprichwörter: „Sieh dir die Ameise an und nimm dir ein Beispiel an ihr, du Faulpelz!“ Und auch der Esel gilt keineswegs als dumm. Einmal ist er sogar klüger als sein Reiter  namens Bileam. Der glaubt nämlich ganz genau zu wissen, was Gott will und was Gott tut. Der Esel aber nimmt den Engel wahr, der beide auf einen neuen Weg weisen will, anderen und sich selbst zum Heil. Ich wünsche uns immer die Bereitschaft, etwas hinzu zu lernen, nötigenfalls auch von den Tieren. 

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2015
Juni

 

Liebe Gemeindeglieder!

Unser Titelbild zeigt vergrößert, was wir auf Urkunden und Verträgen der Kirchgemeinde  Reinersdorf in kleinerem Maßstab sehen. Die Zeit mit Siegellack und Prägestempeln ist bei uns vorüber. Doch dieser Siegelabdruck ist mehr als nur Dekoration. Zusammen mit einer rechtsgültigen Unterschrift kann er die Echtheit eines Dokumentes bestätigen und garantieren.

Unser Siegelbild nimmt Bezug auf die Taufe. Der Taufstein lässt mich daran denken, dass da Menschen eine wichtige Entscheidung für sich oder für ihr Kind getroffen haben. Die Taube steht für Gottes Heiligen Geist, jene Kraft des Glaubens, die als Geschenk des Himmels unserem irdischen Tun neuen Sinn und Zusammenhang geben will. Die Taufe eines kleinen Kindes macht es deutlich: Gott handelt immer zuerst an uns. Wir brauchen dafür keine Vorarbeit zu leisten, wir müssen keine Zugangsbedingungen erfüllen. Ein schöner Brauch ist darum das Taufgedächtnis. In Ebersbach geschieht das monatlich im Zuge der Kinderverkündigung. In Reinersdorf werden wir am 12. Juli unseren jährlichen Familiengottesdienst zur Tauferinnerung feiern, diesmal musikalisch ausgestaltet von der Kirchenband  aus Radeburg.  

„Als ihr das Wort der Wahrheit gehört habt und gläubig wurdet, seid ihr versiegelt worden mit dem Heiligen Geist. Damit wird bestätigt: Ihr gehört  Gott. Er will uns seine endgültige Erlösung schenken. Unser Leben soll ihn loben und preisen.“ So schreibt es der Apostel Paulus in einem seiner Briefe.   Gott selber ist es, der die Echtheit unserer Beziehung zu ihm bestätigt. Das ist tröstlich und hilfreich. Der Wert meines Glaubens ist nicht abhängig von meinen Gedanken und Gefühlen. Gott selber garantiert den Zusammenhalt!

Alle Kinder in unseren Gemeinden werden regelmäßig zur Tauferinnerung eingeladen, und das ist gut so. Bleibt auch uns Erwachsenen zu wünschen, dass uns das Geschenk der eigenen Taufe wertvoll bleibt. Das Datum und den Spruch der eigenen Taufe zu wissen, kann hilfreich sein. Wichtiger ist, dass wir bewusst mit der Zusage unseres Herrn leben dürfen. Gott hat uns sein Wort gegeben. Wir dürfen seine Kinder sein und bleiben. Er drückt unserem schwachen Glauben das Siegel seiner starken Gottesliebe auf.

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2015
Februar

 

Denkanstöße   zur   Jahreslosung   für   2015

„NEHMT EINANDER AN…“

Zu Weihnachten war die Kirche voll. An den nächsten Sonntagen blieb die Gemeinde überschaubar. Heißen die treuen Besucher jeden seltenen Gast herzlich willkommen, egal wann, oder fühlen sie sich als Elite? Gastfreundschaft und Offenheit für Mitmenschen in Not sind christliche Werte. Und da sind Leute, denen die Zuwanderung von Fremden Angst macht. Gelingt es uns, die einen und die anderen ernst zu nehmen? In der Familie, am Arbeitsplatz oder unter Nachbarn sind es oft die kleinen Macken, mit denen Mitmenschen einander zur Last werden. Kann mein Herz so weit werden, wie es die Jahreslosung verlangt?

„…WIE CHRISTUS EUCH ANGENOMMEN HAT…“

Gott nimmt uns ganz wichtig. Darum muss sich keiner von uns selbst kümmern. Das ist SEINE feste Zusage. Dieses Angenommensein will angenommen sein, fröhlich und dankbar. Sind wir dazu bereit, probieren wir das aus! Dann wird dein und mein kleines Leben dem großen Gott die Ehre geben. 

„…ZU GOTTES LOB.“ (Römer 15, 7)

Was erst wie eine Forderung klang, wird bei genauerer Betrachtung zur freundlichen Einladung: Lebe das Geschenk der Liebe Gottes! Nimm seine Zuwendung dankbar in die Hand und gib davon weiter! Angenommen, es funktioniert – welche Möglichkeiten werden sich daraus wohl ergeben?

Viele gute Erfahrungen auf diesem Weg wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2014
Dezember

 

Zugegeben, die Weihnachtgemälde mittelalterlicher Maler sehen anders aus: Kräftige Farben, erkennbare Personen, eine liebliche Maria und ein (meist steinalter) Josef in einem zerfallenen Stall. Das Aquarell von Eberhard Münch ist das Gegenteil von all dem. Alles wirkt angedeutet, die Linien sind in Bewegung, vieles bleibt undeutlich.

Auch wenn wir überzeugt sind, uns mit Weihnachten gut auszukennen, eine biblische Geschichte ist kein Protokoll und das Krippenspiel in der Kirche kein Dokumentarfilm. Vom Geschehen in jener „Heiligen Nacht“ von Bethlehem, das wir so gerne fantasievoll ausschmücken, wissen wir in Wirklichkeit sehr wenig. Was die Erzähler Matthäus und Lukas auf jeden Fall deutlich machen wollen: Jesus war von Anfang an ein Unbehauster, den Mächtigen (und oft genug den Frommen) im Weg. Außenseiter und Ungläubige zog er magisch an. Er gehörte weder sich selbst noch der bürgerlichen Kleinfamilie, sondern Gott und der Welt, voll im Einsatz für andere Menschen. 

Weihnachten ist und bleibt ein Geheimnis. Im allernormalsten Geschehen der Welt, der Geburt eines Kindes, ereignet sich das Wunder aller Wunder: Gott, der Herr über Himmel und Erde, begibt sich in die Hände der Menschen, wird hilfsbedürftig und angreifbar. Vielleicht täte es uns gut, dieses Fest ein wenig leiser zu begehen, nicht goldglänzend und selbstsicher, sondern lauschend und staunend.

Das Titelbild überlässt es dem Betrachter, Beobachtungen zu machen und seine eigene Sicht zu finden. Es scheint, als wolle uns der Künstler einladen, genauer hinzuschauen, die Bewegung aufzunehmen und letztlich uns selbst bewegen zu lassen. Die Menschwerdung Gottes bleibt unbegreiflich. Wir können nicht erfassen, was da geschieht. Wenn nur die Weihnachtsbotschaft uns erfasst! Die staunende Anbetung hat der Liederdichter Gerhard Tersteegen so ausgedrückt (EG 41, 4): 

 

Gott ist im Fleische: wer kann dies Geheimnis verstehen?

Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen.

Gehet hinein, eins mit dem Kinde zu sein,

die ihr zum Vater wollt gehen.

2014
Oktober

 

Liebe Gemeindeglieder!

Vermutlich hat das jeder schon erlebt: Wir begegnen vielen fremden Menschen und sehen sie wie eine fremdartige Masse. Dann aber gibt es Anlass, den einen oder anderen persönlich kennenzulernen. Dieses Gesicht werden wir später wiedererkennen. Was ein Teil der grauen Menschenmenge war, entpuppt sich als Person. Eine Beziehung ist entstanden. Die muss nicht in jedem Fall von großer und dauerhafter Bedeutung sein. Manchmal sind es gerade die kurzen Begegnungen am Rande des Alltags, die unser Leben sehr bereichern können.

Oft ist in der christlichen Verkündigung die Rede von Gottes Liebe zu uns Menschen. Dabei geht es nicht um eine graue Masse. Wer einmal darauf achtet, wie Jesus auf Menschen zugeht, kann es beobachten: Gott wendet sich dem Einzelnen zu. Die ganz persönlichen Freuden und Leiden, manches Detail, dass ich meinen Mitmenschen vielleicht lieber verschweige, er hat den vollen Durchblick. Und ich darf sicher sein: Er wird sein Wissen niemals gegen mich verwenden. Er weiß,  was mich im Innersten bewegt. Er ist offen für die tiefste Regung des Herzens. Er nimmt mich wichtig, so wie ich bin. Die Titelseite unseres Blattes zeigt einen Fingerabdruck. Erst auf den zweiten Blick wird ein Gesicht erkennbar. Bei Fingerabdrücken denken wir zuerst an die Aufklärung von Verbrechen.  Wie wäre es, wenn wir einmal versuchen, den Anderen mit Gottes Augen zu sehen? Dann gewinnt die Einmaligkeit eine andere Bedeutung. Sieh dir die kleinen Hautrillen der eigenen Finger an oder schau in den Spiegel! Was du da siehst, ist ein Mensch. Der ist (trotz all seiner Fehler) unersetzbar wertvoll, es gibt ihn kein zweites Mal. Und was für dich zutrifft, hat Gott in gleicher Weise auch in andere hinein gelegt. Möge es uns gelingen, das eigenen Leben und das des Mitmenschen als einmalig und von Gott bejaht zu entdecken!

Das wünscht Ihnen allen und grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2014
August

 

Liebe Gemeindeglieder,

erinnern Sie sich an die BAUSOLDATEN? Am 7. September 1964, also genau vor fünfzig  Jahren,  wurden die „Baueinheiten der NVA“ eingeführt. Den Anstoß dazu hatten Christen gegeben. Junge Männer, die sich aus Gründen ihres Glaubens und Gewissens weigerten, eine Waffenausbildung zu absolvieren, konnten nun Dienst ohne Waffe leisten. Mit dem Spaten auf dem Schulterstück der Uniform dienten sie zunächst in den Kasernen als Heizer oder Küchenhilfe. Von den „richtigen“ Soldaten wurden sie meistens belächelt, manchmal auch beschimpft. Später arbeiteten viele der Spaten-soldaten in der zivilen Wirtschaft, meist unter schweren Bedingungen, zum Beispiel in der chemischen Industrie oder beim Bau des Überseehafens Mukran nahe Prora (Insel Rügen).

Es blieb ein spanungsvoller Kompromiss, einerseits für die Staatsführung der DDR (so etwas gab es in keinem anderen sozialistischen Land), aber auch für die jungen Männer selbst. Denn jeder wusste: Die Armee ließ sich die Arbeitskraft ihrer „Spatis“ von der Staatswirtschaft gut bezahlen. Wer jede Unterstützung möglicher Kriegsvorbereitungen konsequent verweigern wollte, musste bereit sein, dafür ins Gefängnis zu gehen. Der Wunsch vieler Christen, „sozialen Friedensdienst“ ohne militärische Anbindung leisten zu können, blieb bis zum Ende der DDR ein unerfüllter Traum.

Heute bleibt jungen Männern in unserem Land erspart, die Entscheidungen von damals zu treffen, und das ist gut so. Dass viele bereit waren, Nachteile in Kauf zu nehmen, um nicht an Kriegsspielen teilzunehmen, sollte auf jeden Fall unvergessen bleiben.

Einen friedvollen Sommer wünscht uns allen Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2014
Juni

 

Liebe Gemeindeglieder,

sie gehört zu den ältesten Erfindungen der Menschheit und wurde nie ganz unmodern, die Sonnenuhr. Vermutlich war es seit alter Zeit üblich, an den Schatten bestimmter Berge den Gang des Tages abzulesen. In den Alpen gibt es deshalb Gipfel, die Namen wie „Zwölfer“ oder „Einser“ tragen. Inzwischen sind wir daran gewöhnt, in Minuten (und Sekunden) zu denken.  Schnelle Fahrzeuge bringen uns in Windeseile von einem Ort zum andern. Moderne Maschinen und Haushaltgeräte nehmen uns viel Handarbeit ab. Trotzdem ist die Klage „keine Zeit“ immer wieder zu hören. Liegt das nur  an den harten Bedingungen des heutigen Arbeitsmarktes oder lassen wir uns viel zu oft hetzen und treiben von der Angst, etwas zu verpassen? „Halte den Ruhetag in Ehren“ empfiehlt uns die Bibel. Gedacht ist an den Sabbat. Zugleich geht es um viel mehr: Wer sich (und den anderen)Pausen gönnt, kann seine Arbeit besser und fröhlicher leisten. Unterschiedliche Erholungszeiten von Urlaub bis Mittagsrast sind wichtig, insbesondere der Sonntag. Manchmal lernen Menschen ihre eigenen Lebensjahre anders schätzen, wenn sie erleben mussten, wie schnell ihre Zeit zu Ende sein konnte. Oder zwei Liebende nehmen nach schmerzlichem Getrenntsein jede Stunde der Gemeinsamkeit viel bewusster wahr. Die Zeit als ein Geschenk Gottes zu begreifen, welches es gut zu nutzen gilt, ist ebenfalls ein biblischer Rat. Wir feiern zur Sommersonnenwende auf dem Friedhof den Johannistag. Werden und Vergehen ist das Thema dieses besonderen Festes. Mögen uns solche Momente der Besinnung zur Hilfe werden, denn auch im Alltag mit seinen vielfältigen Ansprüchen gilt es sinnvoll mit unserer Lebenszeit umzugehen!

Dass dies zu aller Zeit gelingen möge, wünscht Ihnen von Herzen Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2014
April

 

Am 27. Mai begehen wir den 450. Todestag von JOHANNES CALVIN. Während Martin Luther in Deutschland um die Erneuerung der Kirche bemüht war, brachte er die Reformation in der Schweiz voran. Über seine Rolle als Kämpfer für den rechten Glauben sagt er selbst:  „Ein Hund bellt, sobald er seinen Herrn angegriffen sieht. Ich wäre wohl lasch, wenn ich angesichts eines Angriffs gegen die Wahrheit Gottes verstummen würde, ohne etwas verlauten zu lassen.“ Hinter sozialen Ungerechtigkeiten sah er als Ursache den Mangel an echtem Glauben und predigte: „Wo Gott erkannt wird, wird auch Menschlich-keit gepflegt; wo aber die Menschen sich gegen-seitig unterdrücken und betrügen, da kann man daraus schließen, dass die Gottesfurcht erloschen ist." Wie für Luther ist auch für Calvin die Bibel der oberste Maßstab aller Lehre: "Wir sollen uns nicht in den Sinn kommen lassen, Gott irgendwo anders zu suchen als nur in seinem heiligen Wort oder über ihn etwas zu denken als allein unter Leitung seines Wortes oder etwas zu reden als allein das, was aus seinem Wort kommt." beim Tode unseres Herrn Jesu Christi; die Apostel hatten ihn verlassen, sie blieben bei ihm in wunderbarer Standhaftigkeit, und eine Frau wurde die Botin, die den Aposteln die Auferstehung verkündigte, und sie konnten ihr nicht glauben und sie nicht verstehen. Wenn Gott die Frauen damals so zu Ehren gezogen und ausgerüstet hat mit Kraft: glaubt Ihr, er habe jetzt weniger Macht oder er habe seinen Willen geändert?“ Ein besonders wichtiges Thema ist für den Schweizer Reformator die Erwählung Gottes. Auf die bange Frage, wie ein Mensch denn sicher sein könnte, von Gott erwählt zu sein, antwortete er: „Alle, die im Glauben mit Jesus Christus wahrhaft verbunden sind, dürfen ganz sicher sein, dass sie zum Kreis der ewigen Erwählung Gottes gehören und zu seinen Kindern zählen.“

Recht viel von dieser frohen Gewissheit wünscht Ihnen allen von Herzen Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2014
Februar

 

Liebe Gemeinde!

„Glück gehabt“ – sagen wir, wenn ein Dachziegel, vom Sturmwind gelockert, dicht neben uns auf dem Gehsteig zerschellt. Aber fühlen wir uns deshalb glücklich? Vom Altertum bis zur Moderne wurde kaum ein Begriff so viel gebraucht wie das kleine Wörtlein „Glück“. Woran wir dabei denken, kann unterschiedlich sein. Von der großen Liebe bis zum beruflichen Erfolg und von guter Gesundheit bis zum plötzlichen Geldgewinn reichen unsere Wünsche. Was wir ab und zu an Glück erleben, sind eher kurze Momente als ein Dauerzustand. Die Jahreslosung lädt uns ein, das Glück der Nähe Gottes neu zu entdecken. Wer im Zusammenhang der Bibel nachschaut, sieht sofort: Der Beter dieser Zeilen hat die Annäherung Gottes gesucht. Dabei gibt es viel, was ihn ärgert und hart bedrängt. Das Wissen um Gottes liebevolle Zuwendung wirkt wie ein Gegengewicht. Nöte und Verluste dürfen nicht das gesamte Dasein beherrschen! „Wohnen tut der liebe Gott im Himmel. In der Kirche hat er seine Praxis“ – so ist es uns als Kindermund überliefert. „Manchmal macht er Hausbesuche“ – möchte ich da ergänzen. Wer mit offenen Augen durch jeden Tag geht, sieht viele Gründe zum Danken. Wie wäre es, diesen Dank wieder einmal laut auszusprechen? Menschen gegenüber gibt es mitten im Alltag Gelegenheit dazu. Gott gegenüber kann es sehr hilfreich sein, gemeinsam mit anderen in ein Gotteslob einzustimmen und so auch andere am eigenen Glück zu beteiligen.

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2013
Dezember

 

Liebe Gemeindeglieder!

Gekrönten Hauptes und in fürstliche Gewänder gekleidet sind sie zu Repräsentanten der Menschheit geworden – CASPAR, MELCHIOR und BALTHASAR, bekannt als die „Heiligen drei Könige“. In der Bibel wird etwas bescheidener von Gelehrten aus Babylonien erzählt. Ein Zeichen am Himmel hat sie zu der Überzeugung gebracht, ein neuer und ganz besonderer König sei geboren. Auf weihnachtlichen Bildern wird der Stern von Bethlehem gern als Komet mit einem Schweif dargestellt. Allerdings galten Kometen in den meisten alten Kulturen als Unglückszeichen. Eher ist wohl an eine Konjunktion zu denken. Das bedeutet, die beiden Planeten Jupiter und Saturn schienen von der Erde aus gesehen ihre Bahnen zu kreuzen. Der Evangelist Matthäus erzählt von drei Geschenken. Gold ist ein Symbol der Königswürde, Weihrauch ist ein Zeichen der Gottesverehrung und Myrrhe diente als Heilmittel. Natürlich ist in dieser Geschichte eine tiefe Symbolik versteckt, die in poetischer Weise auf die Bedeutung von Jesus hinweist. Aus der Anzahl der Geschenke schlossen spätere Generationen auf drei Reisende und irgendwann kamen die fantasievollen Namen hinzu. Eine schöne Tradition, die in vielen Regionen zu Hause ist, sind die Sternsinger, die am 6. Januar von Haus zu Haus ziehen, weihnachtliche Lieder anstimmen und Spenden zur Unterstützung von Hilfsbedürftigen sammeln. Hinterlassen sie über einer Tür die mit Kreide geschriebenen Buchstaben C+M+B, erinnert das an die Namen der Gelehrten. Dabei ist es eigentlich der Segenswunsch „Christus mansionem benedicat“, in unsere Sprache übersetzt: „Christus segne dieses Haus“. 

 

Dass Jesus Christus unsere Häuser, Wohnorte Familien und Gemeinden segne und bewahre, wünscht allen zum neuen Jahr Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2013
Oktober

 

Liebe Gemeindeglieder!

Manchmal sind die Tiere klüger als die Menschen. Zugegeben, was auf unserer Titelseite einfach aussieht, ist in der Wirklichkeit meistens etwas schwieriger. Dennoch möchte ich an dieser guten Erfahrung festhalten: Wer anderen einen Schritt entgegengeht und gemeinsamen nachzudenken bereit ist, kann häufig mehr dabei gewinnen als verlieren. Ohne Risiko ist das freilich nie. Der andere könnte ja meine Bereitschaft ausnutzen! Es kann aber auch passieren, dass wir merken: Unser Konflikt schadet beiden Seiten! Wir haben sozusagen einen gemeinsamen Gegner, nämlich unseren bisherigen Streit! Diese Erkenntnis löst ganz bestimmt nicht alle Probleme, aber ein hilfreicher Anfang könnte das sein.  Auf dem Weg zum großen Jubiläum „500 Jahre Thesenanschlag“ hat die Evangelische Kirche in Deutschland jedem Jahr eine eigene Überschrift gegeben. Das Thema für 2013 lautet : REFORMATION UND TOLERANZ

Was mit Martin Luthers Thesen im Jahr 1517 begann, war keineswegs ein Paradebeispiel für Toleranz. Im Gegenteil, anstatt zur gemeinsamen Neubesinnung kam es wenig später zur großen Kirchenspaltung. Inzwischen darf es als normal gelten, dass katholische und evangelische Christen einander respektieren. Das ist das Ergebnis von vielen kleinen Schritten auf einem Weg, der noch Die Schlosskirche zu Wittenberg   lange nicht zu Ende ist. Begehen wir den Reformationstag am 31. Oktober als Tag der Besinnung, aber nie als „Kampftag“ gegen Andersdenkende und Andersglaubende! „tolerare“ heißt übersetzt „erdulden“, also aushalten, dass Menschen neben uns anders sein dürfen. Wir sind es aus deren Sicht übrigens auch. 

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Matthias Spindler

2013
August

 

Liebe Gemeindeglieder! 

Katzen haben Mäuse zum Fressen gern. Abgesehen von besonderen Tierfreundschaften ist das eher im Sinne von Nahrungsaufnahme zu verstehen. Auch der Fotograf, dem dieser Schnappschuss gelang, weiß zu berichten, dass die Maus diese Begegnung nicht überlebt hat. So ist das eben in der Natur:  Große leben auf Kosten der Kleinen, Starke auf Kosten der Schwachen.

Und wie ist es unter uns Menschen? Jubeln wir den Erfolgreichen zu und lassen die Verlierer links liegen? Halten wir es für normal, wenn die wirtschaftlich  starken  Nationen auf Kosten der ärmeren Länder ihren Wohlstand vermehren? Schimpfen wir deshalb so laut, wenn sich Politiker die eigenen Bezüge erhöhen, weil wir auch gern so viel Geld und öffentliche Anerkennung hätten? 

Als sich seine Jünger um die Rangordnung streiten, wird Jesus sehr deutlich. Er sagt: „Ihr wisst doch, wie es zugeht auf unserer Welt. Die Machthaber halten ihre Untergebenen klein und lassen sich dabei als Wohltäter feiern. So soll es unter euch nicht sein! Im Gegenteil: Der Größte ist, wer anderen aus freien Stücken dient.“ Und der Apostel Paulus gibt seinen Mitchristen den Rat „Richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt! Lasst euch von Gott eine neue Gesinnung schenken! Dann könnt ihr jederzeit erkennen, was gut ist und was Gott gefällt.“

„Nichts ist praktischer als eine gute Theorie“ pflegte uns im Studium ein sehr erfahrener Dozent einzuschärfen. Probieren wir es aus! Achten wir auf die Menschen neben uns und stehen ihnen bei! Das kann spannend werden, spätestens dann, wenn der Betroffene im Spiel der Gesellschaft die Rolle der Maus abbekommen hat.

 

Viel Mut und gute Erfahrungen wünscht dabei und grüßt alle herzlich Ihr Pfarrer Matthias Spindler